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Die Reise beginnt.

Die Reise beginnt.

In drei Tagen ist es soweit: ich werde zu meiner seit langem geplanten Reise nach Fernost starten.

Autor: dur&moll/Donnerstag, 30. Mai 2013/Kategorien: Reiseberichte

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Die Reise beginnt

In drei Tagen ist es soweit: ich werde zu meiner seit langem geplanten Reise nach Fernost starten. Wie sehr habe ich mich darauf gefreut, und das ist jetzt alles dahin. Ich kann kaum noch ruhig schlafen. Wieso habe ich mir diese Reise erträumt? Denn ich fahre allein, das erste Mal habe ich auch meine Entscheidung allein getroffen. Horst, wägte mit mir zumindest alle Vor- und Nachteile ab, wenn ich denn schon mal eine Reise ohne ihn unternahm. Dieses Mal war es so, dass jedes Mal, wenn ich von meinen großen Plänen schwärmte, als Reaktion die ungläubige Frage kam „allein, ganz allein“? Inzwischen haben sich bei mir viele Ängste und Zweifel ob meines kühnen Plans eingeschlichen. Ich will von Frankfurt nach Hongkong fliegen und nachdem ich mich dort drei Tage umgesehen habe, werde ich auf die M/S Europa gehen, die auf einer Weltreise Station in Hongkong macht. Wer „A“ sagt, muss auch „B“ sagen heißt es und es gab kein Zurück.

Dienstag, der 12.März 2013.

Die Koffer sind gepackt. Da ich lange unterwegs sein werde, habe ich reichlich Gepäck. Gut, dass ich Business Class gebucht habe und somit nicht auf 20 kg beschränkt bin. Wegen der zurückgekehrten Winterkälte und Schneefall ist es fraglich, ob die Lufthansa Maschine nach Hongkong tatsächlich starten kann. Viele nationale und europäische Verbindungen sind gestrichen. Die Bahnfahrt Köln-Frankfurt verläuft pünktlich, und ich bin froh, dass es einen heißen Tee gibt.

Am Frankfurter Flughafen haben sich lange Schlangen vor den Lufthansa Schaltern gebildet. Auf der Abfahrts-Tafel sind die meisten nationalen und europäischen Verbindungen gestrichen, aber Flug LH796 nicht. Mit einer bereits in Köln erhaltenen Bordkarte muss ich mich nicht anstellen, sondern werde mein großes Gepäck schnell los. Die erste Etappe ist geschafft. Ich muss schmunzeln, weil ich mich an einen Ausspruch von früheren Reisen erinnere: „man muss auf den Flughäfen nur lesen können, dann findet man sich zurecht.“ Mein Bordgepäck lege ich auf einen Gepäckwagen, so geht es leichter voran, und ich bin frohgemut und bewältige die endlos scheinende Strecke bis zur Abfahrtshalle. Die Passkontrolle bringe ich schnell hinter mich und jetzt noch Gepäckkontrolle und Leibesvisitation. Diese wird – wie ich meine notwendigerweise -gründlich durchgeführt, doch ein bisschen komisch ist es schon, dass ich meine Stiefeletten auch auf das Laufband legen muss und auf Socken die Freigabe meines Handgepäcks bekomme.

 Mit einer Stunde Verspätung startet der Jumbo Jet. Viele Plätze bleiben leer, weil die Passagiere den Anschlussflug verpasst haben. Die Stewardessen verstauen die Garderobe in dafür vorhandene Schränke, die Bord Cases werden verstaut und die Sicherheitshinweise heruntergeleiert. Man fühlt sich schon als Weltreisender. Den angebotenen Drink vor dem Abendessen nach Mitternacht nehme ich gern in der Hoffnung, später etwas schlafen zu können. Der Flugkapitän meldet sich mit der Durchsage, dass wir inzwischen unsere Flughöhe erreicht haben und dass wir am nächsten Tag um 16 Uhr Hongkong Zeit unser Ziel erreichen würden bei einer ungefähren Temperatur von 22 Grad Celsius, wobei ein wohliges Raunen durch die Kabine geht. Dummerweise hatte ich vergessen, eine Ersatz-Armbanduhr mitzunehmen. Ich trage eine Solar-Funkuhr, die ich nicht manuell verstellen will. Also werde ich ab jetzt immer 7 Stunden zuzählen. Der Flug ist ruhig und das beruhigt mich. Trotz Liegesessel, Kissen, Decken und Abdunklung will der Schlaf nicht kommen. Ich tröste mich damit, dass es ja auch ein aufregendes Erlebnis ist, den Orient in großer Höhe zu überfliegen. Die Stunden vergehen und langsam gehen die Lichter an. Überall regen sich die Passagiere, machen Bewegungsübungen und wischen sich mit den angebotenen heißen Kampfer-Waschlappen den Schlaf aus den Augen. Man frühstückt und langsam nähern wir uns unserem Ziel, dem internationalen Flugplatz Chek.Lap Kok auf der Insel Lantau. Lantau ist die größte Insel des Hongkong Archipels. Der englische Architekt Norman Foster baute den modernen Flugplatz, der 1998 in Betrieb genommen wurde, weil der alte internationale Flughafen Kai Tak das Flugaufkommen nicht mehr gewährleisten konnte und die Landung auf einer schmalen Insel hohe Anforderungen an die Piloten stellte. Der jetzige internationale Flughafen ist neben seinem hohen Passagier-Aufkommen auch der größte Fracht-Flughafen der Welt. Voller Erwartung ob des Wiedersehens nach vielen Jahren kam ich an. Man muss schier endlose Strecken hinter sich bringen, um die Gepäckausgabe zu erreichen. Nur kurze Zeit verging und die Koffer rotierten auf den Laufbändern, bevor sie auf den Gepäckwagen verstaut wurden. Hier und da war durch die Kofferanhänger ersichtlich, dass auch eine Reihe  anderer Passagiere der M/S Europa angekommen waren. Bald wurden Schilder mit der Aufschrift „Four Seasons Hotel“ hochgehalten. Ich war froh, erwartet zu werden. Der Temperatur-Unterschied zwischen Köln und hier war beachtlich. Die warme Kleidung hatte bald für Wochen ausgedient. In weniger als 30 Minuten erreichte der Bus das elegante Four Seasons Hotel durch einen unter dem Meer gebauten Tunnel. Wie schön war die Vorstellung, bald im gediegen eingerichteten Zimmer ein paar Nächte zu wohnen. Der Blick aus dem Fenster meines Zimmers gibt einen freien Blick auf den Victoria Hafen und das überwältigende Panorama frei. Wie viel ist in den letzten 20 Jahren gebaut worden!. Glücklich, wenn auch mit nur wenig Schlaf verbringe ich die erste Nacht in diesem fabelhaften Hotel.

 

 

Erste Etappe der Reise:

Hongkong,  Philippinen (Hundred Islands, Coron, Boracay, Cebu, Puerto Princesa), Malaysia (Sandakan, Kota Kinabalu, Bintula), Brunei (Bandar Seri Begawan), Singapur

 

Hongkong

Träume ich mit offenen Augen oder ist es Wirklichkeit? „Nein, ich bin in Hongkong, allein, und ich kenne niemand weder im Hotel noch in dieser Sonderzone Hongkong der Volksrepublik China mit 1,16Millionen Einwohnern. Ich blicke aus dem Fenster und vergesse das angesichts des faszinieren Ausblicks. Es ist 7 Uhr hiesiger Zeit und ich mache mich fertig für den 1.Tag in Hongkong. Die Tageszeitung liegt vor der Tür, und die nehme ich mit in den einladenden Frühstücksraum viele Etagen tiefer. Die Vielfalt des Frühstück-Buffets ist überwältigend, der Kaffee, Tasse für Tasse heiß. und delikat serviert macht mich völlig munter. Um 9 Uhr muss ich mich im riesigen Foyer einfinden, denn ich habe die große Stadtbesichtigung gebucht. Während der Überfahrt mit dem Fährboot tut eine Windjacke gute Dienste. Auf dem Wasser kreuzen Sampans, Dschunken und Fährboote . Auf Reede liegen große und kleine Frachter aus aller Herren Länder und am Ocean Terminal weiße Passagierschiffe. Unsere Touristengruppe besteht aus etwas 15 Personen. Am Star Ferry Pier in Victoria City beginnt unser Rundgang per pedes. Die City Hall ist ein eleganter Gebäudekomplex. Er beherbergt die City Hall, das Stadtmuseum und eine Kunstgalerie. Wir bummeln gemütlich an der Uferpromenade entlang, es wird viel fotografiert. Vorbei geht es am Uhrturm, der an alte Zeiten erinnert. Eine Gruppe quirliger kleiner Mädchen, alle gleich gekleidet, stürmt uns entgegen. Sie suchen sich schnell einen Platz am Rande der Promenade und halten das Panorama auf ihre Weise malend fest. Als besondere Sehenswürdigkeit gilt das Einkaufszentrum rund um die Cat Street mit der Ladder Street. Die Treppenstrasse führt steil bergan und über lange Strecken ist die Treppe zum Glück durch eine Rolltreppe ersetzt. An den Absätzen blickt man zu beiden Seiten in enge Gassen herunter, wo sich typisch chinesische Handwerksläden befinden. Das ist das alte Hongkong. Oben angekommen, besuchen wir den Man-Mo Tempel. Er ist der älteste chinesische Tempel Hongkongs, zu dem auch Touristen Zutritt haben. Die Fahrt mit einer überfüllten Straßenbahn schließt sich an. Der Verkehr ist atemberaubend. Laut unserer Stadtführerin sind die Einwohner hier immer in Eile, aber finden das normal und überlebensnotwendig. Am Pferderennplatz „Happy Valley“ endet die Fahrt mit der Straßenbahn, und ein Bus fährt uns von dort zurück ins Hotel. Man wählt hier eines der zwei 3-Sterne Restaurants. Das „Caprice“ verwöhnt seine Gäste mit französischer Küche. und der tolle Ausblick ist kostenlos. Die Landeswährung ist der Hongkong Dollar (HKD). Zurzeit ist der Umrechnungskurs 1 Euro = 10,08HKD. Am Abend bewundere ich nach dem Essen in einem chinesischen Spezialitäten-Restaurant „A Symphony of Light“. Von der Promenade aus verfolge ich wie hunderte anderer Touristen eine Lichter- und Klangshow auf 44 der bekanntesten Gebäude Hongkongs. Als ich später nach einem denkwürdigen Tag mein elegantes, großes Zimmer betrat, dachte ich an unsere Reiseleiterin. Sie hatte uns vom Leben der Einheimischen erzählt: für viele ist es der tägliche Kampf um Arbeit oder deren Erhalt, die Hektik und die fürchterliche Enge der Wohnverhältnisse mit durchschnittlich weniger als 4,5 qm Lebensraum. Folglich nehmen die meisten das warme Essen entweder in einem Restaurant ein oder holen es sich von einer Garküche. Dankbarkeit erfüllte mich und Freude auf weitere aufregende Tage.

 

Ein lohnender Ausflug war auch der Besuch der landschaftlich schönen Insel Lantau, wo alles ein wenig ruhiger und fast schon ländlich zugeht. Seitdem der Internationale Flughafen 1998 fertiggestellt wurde, hat sich die Einwohnerzahl sehr erhöht und beträgt nun etwa 100.000 Einwohner. Zuvor war Lantau ein weniger besuchter Touristen-Ort, obwohl es wunderschöne Badestrände hat. Der Lantau Peak ist mit über 900 m der höchste Berg der Insel. Die Straßen sind sehr gut ausgebaut. Die bedeutendste Sehenswürdigkeit der Insel ist das Buddha-Kloster Po Lin , d.h. kostbarer Lotos. Die sitzende Buddha-Statue, Big Buddha, ist über 267 Stufen zu erreichen. Sie ist aus Bronze und 23 m hoch. Das alte Kloster besteht aus mehreren Gebäuden und einem rotlackierten Tempel mit wertvollen goldenen Buddha-Figuren. Im Kloster-Restaurant gibt es ein einfaches, schmackhaftes Essen. Allmählich hatte ich mich schon eingelebt in dieser faszinierenden, verkehrsreichen Hafenstadt. Es ist ein Vergnügen, als Tourist nobel untergebracht hier ein paar Tage zu leben. Ständig möchte ich nicht hier leben, obwohl man den Eindruck hat, dass das Leben und Treiben gut organisiert ist. Der Lebensstandard –so hört man von lokalen Reiseführern - ist nach Japan der höchste in Asien. Die Verwaltung unterscheidet sich in vielem vom chinesischen Mutterland. Das erste Mal war ich vor 30 Jahren in Hongkong und 10 Jahre später noch einmal im Anschluss an eine Rundreise durch die Volksrepublik China. Ich habe Hongkong sehr verändert vorgefunden. Obwohl die Übernahme-Gespräche der Kronkolonie Hongkong zwischen den Regierungsvertretern Chinas und Großbritannien schon 1982 begonnen hatten, übernahm die Volksrepublik China erst 1997 die Kontrolle über Hongkong. Seitdem ist sie eine Sonderverwaltungszone mit einem hohen Maß an Autonomie. Hongkong ist ein boomendes Wirtschaftszentrum. Es hat sich zum größten Bekleidungsexporteur der Welt entwickelt. Aber auch fotografische, optische und elektronische Geräte werden hergestellt und exportiert. Auf der anderen Seite wäre es ohne die Volksrepublik China und ihr Wohlwollen nicht lebensfähig gewesen. Mit mehr als 50% seines Bedarfs war Hongkong schon vor 1997 von Lebensmittel-Lieferungen aus China abhängig. Die Volksrepublik verdiente recht gut an Hongkong, die Peking Milliarden von Dollars jährlich einbrachte.

Etwas wehmütig nehme ich Abschied von hier. Hongkong hat etwas Besonderes. Es war ein märchenhafter Prolog zu meinem Abenteuer Fernost.

 

Freitag,15.März 2013

Heute Nachmittag heißt die M/S Europa, die im Ocean Terminal ankert, die Passagiere willkommen. Das Wetter ist freundlich, nur leicht bewölkt und 20Grad C. Um das Gepäck brauchen wir uns nicht zu kümmern. Es wird vom Hotel direkt zum Schiff und in die Kabine gebracht. Im Bus zum Schiff sind also alles Passagiere für die Europa. Die Besatzung inklusive Kapitän Hagen Damaschke mit seinen Offizieren bilden Spalier für die Ankömmlinge. Alles verläuft reibungslos und unsere Ankunft wird mit einem Glas Sekt gefeiert. Dann wird jeder von einem Besatzungsmitglied zur Kabine eskortiert. Doch nein, die Europa hat ja nur Suiten. Vor 3 Jahren wohnte ich mit Horst auch auf dem Atlantik-Deck. Als ich eintrat, sah ich zu meinem Entsetzen ein Doppelbett. Ich war so enttäuscht, dass mir die Tränen kamen. Ich wollte auf keinen Fall vier Wochen neben einem leeren Bett schlafen. Nach einer klärenden Unterhaltung mit der Touristik Managerin wurde das zweite Bett herausgetragen, und ich war zufrieden. Vom Balkon nahm ich nochmals Abschied, bevor ich mich ans Auspacken gab. Der begehbare Kleiderschrank füllte sich nach und nach, und ich war ganz erstaunt, dass meine Garderobe gar nicht so verknittert war, wie ich befürchtet hatte. Aber ich wusste ja, dass ein Bügelzimmer vorhanden ist und man auch auf Wäscherei und Reinigung zurückgreifen kann. Nach einiger Zeit kam per Durchsage die Aufforderung, sich zur Sicherheitsübung bereit zu halten. Als das Signal ertönte, musste man sich mit angelegter Rettungsweste und warmer Kleidung zur Sammelstation begeben, wo Instruktionen für den Notfall gegeben wurden. Noch eine Überraschung war das erste Abendessen. Mein reservierter Platz im Europa Restaurant war am Tisch Nr.10, der für 5 Personen gedeckt war. Die Gesellschaft gefiel mir. An meiner Seite nahm ein netter, kultivierter Herr Platz. Dazu gesellte sich eine charmante, spritzige Wienerin und ein nettes Ehepaar mit viel Kreuzfahrt-Erfahrung. Angenehme Unterhaltungen waren garantiert. Gegen 22 Uhr verließ die Europa unter Abspielen der Auslauf-Hymne „Fabula Maris“ (Geschichte des Meeres) Hongkong, während ich mit Frau Scholz aus Wien auf dem Lido Deck noch einen letzten Blick auf das in bunten Farben erleuchtete Hongkong warf. Die Europa nahm Kurs auf Hundred Islands/Philippinen – 550 Seemeilen entfernt.

 

Samstag, 16.März

Seetag, das heißt, dass wir nur Wasser ringsum sehen, unendlich viel Wasser. Die Europa mit 28.890 BRT schwimmt als kleine Nußschale mit 18 Knoten dem Philippinischen Archipel entgegen. 360 Passagiere sind an Bord und 285 Besatzungsmitglieder. Heute ist der erste Tag für mich an Bord, und das tägliche Programm listet viele Möglichkeiten auf, sich zu beschäftigen. Nach dem Frühstück, das ich meistens im Europa Restaurant einnehmen werde, nehme ich als erstes an der ökomenischen Morgenandacht zum Reisebeginn teil. Kathrin Jans ist die protestantische Bordgeistliche. Es sind nur drei Personen, die sich im Club Belvedere dazu eingefunden haben. Kurz danach findet in der Europa Lounge ein Vortrag des landeskundlichen Lektors Knut Edler von Hofmann statt zum Thema „Das war Hongkong“. Er erzählt Spannendes zu Architektur, Religion und touristischen Höhepunkten. Ein anderer Vortrag, der uns den Umgang mit dem Kommunikations-System Media4Cruises erklärt, lasse ich mir auch nicht entgehen. In jeder Suite gibt es neben Fernsehen und Radio auch die Möglichkeit, e-mails zu versenden und zu empfangen. Dieser Service ist kostenlos. Das Kommunikations-System bietet auch eine Vielzahl von Unterhaltungsfilmen sowie Musikprogramme. Wenn ich schon vorab wissen will, was die einzelnen Restaurants heute anbieten, so befrage ich mein Kommunikations-System und auch der Stand meiner Bordausgaben ist ersichtlich. Während der feste Platz im Europa Restaurant reserviert ist, kann man die Mahlzeiten auch in einem der beiden Spezialitäten-Restaurants oder im Lido-Café einnehmen, wo es zwanglos zugeht. Am späten Nachmittag spüre ich eine leichte Übelkeit – es ist Windstärke 6 – und ich lasse mir von Frau Dr. Ursula Bellut im Hospital vorsorglich ein paar Tabletten gegen Seekrankheit geben. Am Abend möchte ich fit sein, denn die Willkommens-Gala ist angesagt. Kapitän Hagen Damaschke eröffnet den ersten Gala-Abend dieser Reise in der Europa Lounge, dem festlichen Saal für Kultur und Entertainment. Er stellt den Stab seiner engsten Mitarbeiter vor: die Ingenieure, den Sicherheitsoffizier, den Hoteldirektor, den Küchenchef, den Maitre D´Hotel, den Kreuzfahrtdirektor und natürlich den Sommelier, den Weinberater. Dazu reicht man ein Glas Sekt und köstliche kleine Gabelbissen. Für die musikalische Untermalung in der Europa Lounge ist das Bord-Orchester zuständig. Die heutige Kleiderempfehlung lautet: festlich, Herren im Smoking oder dunklem Anzug. Die meisten Passagiere respektieren die Empfehlung. Der erste festliche Abend endet für mich vor Freigabe der Tanzfläche .

 

Sonntag, 17.März

Ich liebe es, morgens vor dem Frühstück im 15m langen Lido Pool zu schwimmen, bevor die Tropen-Sonne ihre ganze Kraft aussendet. Rund um den Pool gibt es viele bequeme Liegen und an den Seiten eine Verglasung als Schutz gegen den Wind. Ein sogenannter Magrodome kann bei Bedarf über den Pool geschoben werden. Heute muss ich mich etwas sputen, denn der erste Landgang steht an. Seit unserer Ankunft um 8 Uhr liegen wir auf Reede, das heißt, dass das Schiff im freien Wasser ankert. Wir befinden uns im Hundred Islands Nationalpark der Philippinen und wer will, kann mit einem Zodiac (Expeditions-Schlauchboot) zu einer Insel gebracht werden, die noch von keinem Hapag-Lloydt Schiff besucht wurde. Ich will natürlich. Die Zodiacs befördern jeweils 8 Personen. Der Zodiac flitzt dahin und alles, was nicht nass werden darf, muss geschützt werden. Eine Vorhut der Europa hat schon Getränke und Badetücher auf die unbewohnte Insel gebracht. Besatzungsmitglieder erwarten uns schon bei Ankunft. Es gibt eine „nasse Landung“ , das heißt, dass man ein paar Meter durchs seichte Wasser waten muss. Ich entscheide mich für die Fahrt mit einem einheimischen Fischerboot durch das Archipel. Andere von uns schwimmen im warmen Meer und wieder andere gehen auf Schnorcheltour, die Ausrüstung wurde kostenlos verliehen. Das Fischerboot gleitet durch das spiegelglatte, blaue Meer vorbei an kleinen Inseln vulkanischen Ursprungs. Manche sind dicht mit Bäumen und Sträuchern bewachsen und auch Höhleneingänge sind zu sehen. Der Hundred Islands Nationalpark ist paradiesisch schön. Ich habe mir die Philippinen so nicht vorgestellt. Von den 7.000 Inseln haben etwa 3.000 einen Namen und 880 sind bewohnt. Heute leben 90 Millionen Menschen auf den Philippinen, die Philippiner (auch Filipino bzw. Filipina) heißen. Per Zodiac geht es auch wieder zurück zur Europa.

 

Und heute wird noch ein Höhepunkt.geboten. Am Abend gibt die Deutsche Stiftung Musikleben das Eröffnungskonzert. Preisträger und Stipendiaten der Stiftung präsentieren Werke von Carl Maria von Weber, Franz Liszt, Johannes Brahms und Astor Piazolla und ernten tosenden Applaus. Wer könnte da nicht verstehen, dass ich nach diesem erlebnisreichen Tag nur noch den Wunsch hatte, mich zurückzuziehen?

 

Montag, 18.März 2013

353 Seemeilen ist die Europa in der Nacht gefahren und hat bei Sonnenschein und 26 Grad Celsius mittags an der zweiten Station auf den Philippinen ihr Ziel erreicht. Wir liegen wieder auf Reede, und die Entfernung vom Schiff zur Insel Coron in der Provinz Palawan erfolgt mit Tendern, das sind Motorboote, die im Notfall auch als Rettungsboote eingesetzt werden können. Wir hören, dass die Coron-Bucht zu den

besten Tauchplätzen der Welt zählt. Allerdings ist es für mich unverständlich, dass die beliebten Ziele Wracks japanischer Schiffe aus dem zweiten Weltkrieg sind. Ich habe mich von den drei möglichen Ausflügen für einen geführten Rundgang durch Coron mit einem Badestop bei den heißen Quellen von Maquinit entschieden. Viele Häuser von Coron sind auf Pfählen ins Meer gebaut. Vom Pier aus führt ein kurzer Spaziergang zur Hauptstrasse des Ortes, vorbei an einfachen Behausungen und bunt gekleideten jungen Einheimischen. Der erste Stop ist an einer katholischen Kirche, rührend einfach und liebevoll geschmückt. Philippiner sind zu fast 90% Christen (83% Katholiken und der Rest Protestanten). Es ist unschwer zu erkennen, dass das Brutto-Einkommen äusserst gering ist und die Menschen mit den wenigen Philippinischen Pesos sparsam umgehen müssen. Wen wundert es da, dass die Kriminalitätsrate auf den Philippinen vergleichsweise hoch ist und man gewarnt wird, auf die Mitnahme von Wertgegenständen und das Tragen von Schmuck zu verzichten. Interessant ist der Besuch in einer Weberei und in einem Familien-Betrieb, wo Cashew-Nüsse verarbeitet werden. Die Arbeitsbedingungen sind für unsere Verhältnisse unzumutbar. Weiter geht es mit einem unbequemen, schwülen Kleinbus zu den heißen Quellen von Maquinit, denen man therapeutische Wirkung nachsagt. Ich traue mich in einen der Naturpools mit 36 Grad Celsius warmen Wasser. Auch wenn die Infrastruktur bei den heißen Quellen sehr einfach und keine Umkleidemöglichkeit vorhanden ist, genieße ich das Bad, und meine Gliedmaßen scheinen „danke“ zu sagen. Den Abend verbringe ich in meiner gemütlichen Kabine, öffne die Flasche Champagner aus dem Kühlschrank, die zu meinem Empfang auf meiner Kabine stand und lasse mir die Cashew-Nüsse aus dem Familien-Betrieb dazu schmecken.

 

 

Dienstag, 19.März

Vor einer Woche habe ich mit klopfendem Herzen und banger Erwartung meine Reise bei winterlichen Temperaturen angetreten. Inzwischen fühle ich mich auf der Europa und auf den Landausflügen ziemlich sicher, und auch das Wetter ist ins Gegenteil umgeschlagen. Mit 26 Grad Celsius am Morgen könnte ich meine Freunde in Köln sicher neidisch machen. Apropos Freunde, jubiliert habe ich ohne Zuhörer beim Erhalt des ersten e-mails in Beantwortung meiner ausgesandten e-mails .Also ist die Verbindung mit der Heimat hergestellt, was auch zur Beruhigung beigetragen hat. Dementsprechend habe ich lange entspannt geschlafen, nämlich bis 9 Uhr und bin ins Lido Café zum Frühstück für Langschläfer gegangen. Frisch gepressten Orangensaft und alle Frühstücks-Köstlichkeiten gibt es auch hier. Nicht etwa, dass ich mehr als gewohnt zu mir nehme , aber jeden Tag versuche ich etwas anderes. Die Entfernung von Coron bis zum heutigen Ziel Boracay in der Provinz Aklan beträgt nur 118 Seemeilen. Um 8 Uhr hat die Europa schon ihren Platz auf Reede erreicht. Es werden keine organisierten Touren auf dieser nur 10 Quadratkilometer großen Insel angeboten. Bei Ankunft mit Tendern am Pier kann  man auf eigene Faust seinen Aufenthalt gestalten. Viele „Tuk-Tuks “ (ein etwas besseres Motorrad mit einem überdeckten Sitzlatz für zwei) bieten ihren Dienst an. Allein und kurzentschlossen vertraue ich mich einem solchen Gefährt an, um in fast 2-stündiger holpriger Fahrt bei halsbrecherischem Tempo über die Serpentinenstrasse einiges zu sehen. Wir einigten uns auf einen Stundenpreis von 400 PHP (Philippinische Pesos ), das sind etwa € 8,00. Bei den auf Wunsch eingelegten Pausen besuche ich eine Schmetterlings-Farm, bewundere den paradiesischen 3,5 km langen Sandstrand der White Beach und die Anlage des piekfeinen „Club Panoly Beach Hotel“. Hätte ich es meinem Chauffeur überlassen, wäre er immer weiter gefahren, um mir noch viel mehr zu zeigen. Am Dead Forest machen wir noch einmal Halt. Tote Baumstämme ragen aus der Lagune und bilden eine bizarre, romantische und sagenumwobene Landschaft. Die Einwohner sagen, es geschehen hier in Vollmond-Nächten übernatürliche Dinge. Eine flüssige Unterhaltung war nicht gegeben, aber immerhin verstand mich der Filipino soweit, dass ich jetzt genug hatte und zurück zum Pier wollte. Dort erstand ich für wenig Geld eine entzückende Basttasche als erstes Mitbringsel für Daheimgebliebene. Per Tender zurück zum Schiff hatte ich das Mittagessen versäumt. Das war kein Malheur. Von 16 bis 17 Uhr ist Teezeit im Club Belvedere. Bei Piano-Musik kann man sich vom reichhaltigen Torten-und Kleingebäck Angebot bedienen lassen. Am Abend läuft auf dem offenen Lido-Deck der Film „Die Legende vom Ozeanpianisten“ auf großer Leinwand.

 

Donnerstag, 21.März

Die Europa bleibt weiter im philippinischen Archipel. Nur 70 Seemeilen weiter erreichen wir die Insel Cebu, auf der 3 Millionen Einwohner zuhause sind. 1521 landete der in spanischen Diensten stehende Portugiese Magellan auf Cebu und feierte Ostern die erste christliche Messe, bei der 800 Filipinos zum christlichen Glauben bekehrt und getauft wurden. Auch auf den Philippinen regnet es zuweilen, aber als der Bus den Hafen um 8.00Uhr in der Frühe zur Landschaftsfahrt in den Süden verlässt, ist die Schauer vorüber. Vorbei an interessanten Dörfern und durch einmalige Landschaften geht es in Richtung Carcar. Die Insel durchzieht ein im Durchschnitt 600 – 800 m hohes Gebirge. Eine Sehenswürdigkeit in Carcar ist die eindrucksvolle Kirche St.Catharine of Alexandria. Ebenso der Theotokos-Schrein in den Hügeln, der der Jungfrau Maria gewidmet ist. Einen Einblick in das Landleben erhalten wir durch die Vorführung von Korbflechten und Anzapfen von Kokosnüssen. Alle Teilnehmer unserer Tour wollten nicht mit einem Carabao (Wasserbüffelkarren) fahren und zogen eine Fahrt mit einem motorisierten Tuk-Tuk vor. Nachmittags nehmen Frau Scholz und ich einen vom Schiff arrangierten Shuttle Bus Service zur Shopping Mall in der Stadt wahr und schlendern mit Vergnügen durch die gut bestückten zum Teil eleganten Geschäfte. Wir stöbern nach Herzenslust und können uns einige günstige Einkäufe nicht verkneifen. Zurück geht es wieder mit dem Shuttle Bus, es ist 18 Uhr und schon dunkel. Hier hat der Tag genau 12 Stunden.

Ein Frühlingskonzert passend zum kalendarischen Frühlingsanfang findet im Club Belvedere mit Sonaten von Richard Strauss und Ludwig van Beethoven statt und Tobias Feldmann, Violine, und Boris Kusnezow, Klavier, zeigen ihr Können.

 

Freitag, 22.März

Heute ist wieder ein Seetag, weil zwischen Cebu und dem nächsten Stop Puerto Princesa in der Provinz Palawan 360 Seemeilen zu überwinden sind. Die sonnenhungrigen Passagiere aalen sich am Swimming Pol, wo man alle Getränke-Wünsche schnellstens erfüllt. Ich ziehe eine Yoga-Stunde vor. Die gemütliche Bibliothek mit deutschen und englischen Romanen der Weltliteratur, Sachbücher, Reisebücher und fesselnde Krimis zieht mich immer wieder an. Hier gibt es auch Magazine zu lesen und Rätsel liegen aus, deren Auflösung am nächsten Tag vorliegt. Für das Gala-Dinner am Abend muss natürlich die Frisur im Beauty Salon gerichtet werden  Aber vorher nehme ich noch am Workshop „Die Geschichte meines Lebens“ teil. Herr Dr. Wolfgang Lechner von der Wochenzeitschrift „Die Zeit“ gibt Anregungen fürs Schreiben. Unser Tisch hat zum Gala-Dinner eine extra Einladung der Kreuzfahrtberaterin Katja Neuner. Bei angeregter Unterhaltung genießen wir das Essen mit korrespondierenden Weinen und die Bord-Fotografin hält die fröhliche Tischgesellschaft im Bilde fest. Ich freue mich sehr darüber, dass die Europa sanft durch das südchinesiche Meer gleitet und die Stabilisatoren, die sich mittschiffs befinden, nicht ausgefahren werden müssen. Mit Vorfreude auf Puerto Princesa, die letzte Station auf den Philippinen, schlafe ich in den neuen Tag hinein.

 

Samstag, 23.März

Als ich wach werde, hat die Europa schon im Hafen von Puerto Princesa angelegt. Es ist 27 Grad Celsius und teilweise bewölkt. Noch ehe die insgesamt vier verschiedenen Touren los gehen, prasselt ein heftiger Tropenregen nieder. Grosse Schirme stehen für die Ausflügler immer bereit. Die Ausschiffung erfolgt heute von Deck Nr.4. Der von mir gewählte Ausflug läuft unter der Überschrift „Landschaftsfahrt auf Palawan“. Die jeweiligen Ausflüge sind eingestuft in „leicht“, „moderat“, „aktiv“ und „anspruchsvoll“. Heute habe ich mich für moderat entschieden und der Kleinbus fährt los. Mehrere Zwischenstopps und Besuche zeigen unterschiedliche Facetten der drittgrößten Insel der Philippinen, die mit reicher Natur und Vegetation gesegnet ist. Die Insel hat die Form eines Dolchs, dessen scharfe Spitze nach Süden zeigt. Sie ist fast 400 km lang und 40 km breit. Nur vom Hafen aus sehen wir die 100 Jahre alte Kathedrale „Immaculate Conception“. Im Palawan Heritage Center gewinnen wir einen Überblick über Geschichte, Kunst und Kultur Palawans, und über die Menschen und ihre Mythologie. In einer Bastweberei sehen wir den Handwerkern bei der Arbeit über die Schultern und im Schmetterlingsgarten bewundern wir große, farbenfrohe Exemplare der Gattung. Viele große Krokodiele leben auf einer Farm; manche davon – so hören wir – haben Menschen angefallen und sogar getötet. Eine andere interessante Tour führte zum Sabang Untergrundfluß. Unser kundiger Lektor erzählte von einem einzigartigen Höhlenkomplex. Dieser zählt zum Puerto Princesa Subterranean River National Park, den die Unesco zum Weltkulturerbe eingestuft hat. Über eine Länge von mehr als 8 km windet sich der unterirdische Fluss tief ins Erdinnere, ausgestattet mit Stalaktiten und Stalagmiten. Die Teilnehmer an dieser interessanten Tour fuhren mit Kanus in die Höhe und sahen im Schein von Bootslampen unzählige Fledermäuse. 23 Millionen Jahre soll das Alter des unterirdischen Flusses sein. Nach Abschluss des von mir mitgemachten Ausflugs unternehme ich allein per Taxi noch einen Besuch ins New City Commercial Center, um mir eine Armband-Uhr zu kaufen; das ständige Umrechnen auf die lokale Zeit war ich leid. Meine Master Card wurde als Zahlungsmittel anerkannt.

 

Sonntag, 24.März

„O’zapft is“ heißt es heute Vormittag im Lido Cafe auf dem Lido Deck. Freibier aus Original Fässern, Schnäpse, Brezel, Weißwürste mit Sauerkraut, Kasseler u.a. gibt es beim Bayerischen Frühschoppen. Fesche Dirndl und Ober in Lederhosen servieren. Die Kapelle spielt „Knödelmusik“ und die Passagiere sitzen in fröhlicher Stimmung unter riesigen Sonnenschirmen und singen dazu. Die Sonne meint es wieder gut mit uns. Vorher fand in der Europa Lounge ein weiterer Vortrag unseres Lektors unter dem Thema „Borneo: Malaysia und Brunei“ statt. Knut Edler von Hofmann gibt Informationen über den Islam in Malaysia, die Ureinwohner Borneos und die Niah-Höhlen. Seit ein paar Stunden fahren wir in Richtung Malaysia. Malaysia, so hören wir – besteht aus zwei durch das Südchinesische Meer getrennten Landesteilen: der malaiischen Halbinsel im Westen und Teilen der Insel Borneo, die unser nächstes Ziel sein wird. Malaysia erhielt seine Unabhängigkeit vom Britischen Empire 1963. Die Insel Borneo ist aufgeteilt zwischen den Staaten Indonesien, Malaysia und Brunei. Vor 200 Jahren waren 95% der Landfläche Borneos mit Wäldern bedeckt. Die Abholzung erreichte riesige Ausmaße. Die Ureinwohner nennen die Insel Api Api, was übersetzt Mongrovenwald heißt. In einem weitere Vortrag, der von der Diplom Biologin Brigitte Fugger gehalten wird, hören wir von den dort lebenden Orang Utans den sogenannten Waldmenschen Borneos. und der Dia-Vortrag entschädigt ein wenig dafür, dass wir diese Tiere nicht treffen werden. Wir sehen auch gute Dias von Nasenbären. Da sich die Durchfallerkrankungen an Bord in den vergangenen Tagen gehäuft haben, werden die Passagiere ausdrücklich darum gebeten, sich nach jedem Landgang und vor jedem Restaurant-Besuch die Hände zu desinfizieren Erkrankungen sollten unverzüglich gemeldet werden, damit eine Ausbreitung der Krankheit verhindert wird. Eine weitere Warnung betrifft die Brandgefahr. Niemals darf eine brennende Zigarette über die Reling geworfen werden. Diese könnte durch den Fahrtwind auf andere Balkone bzw. Decks geweht werden und dort ein Feuer verursachen. Im Schiff darf nur an wenigen Plätzen geraucht werden. Die holzgetäfelte Havanna-Bar lädt ein zu gepflegten Drinks und guten Rauchwaren. 

Frau Scholz, meine Tischnachbarin treffe ich in der Piano Bar zu einem Glas Sekt vor dem Abendessen. Sie kam gerade leicht beschwingt vom Tanzkurs in der Clipper Lounge. „Heute haben wir Foxtrott und Cha Cha Cha getanzt“ – sie war ganz begeistert.

 

Montag, 25.März

Kota Kinabalu das ist der Name für unser heutiges Reiseziel und die Hauptstadt des malaiischen Bundesstaates Sabah auf der Insel Borneo. Die Europa liegt den ganzen Tag über im Harbour No.3. Ich finde den Namen Kota Kinabalu drollig. Der Ausflug „Landschaftsfahrt zum Kota Kinabalu Nationalpark“ startet um 10 Uhr, nachdem man auf dem Schiff Gelegenheit hatte, malaiisches Geld einzukaufen. Für € 1 bekommt man RM 4,03 (malaiische Ringgit). Wir müssen 90 km fahren, aber der Bus ist in Ordnung. Klima-Anlage gibt es fast immer, leider ist der Unterschied zwischen draußen und drinnen oft gewaltig. Ich habe mir angewöhnt, immer eines der im Abfahrts-Deck bereitliegenden Badetücher mitzunehmen, das ich bei Bedarf im Bus umhänge. Wir haben einen englisch-sprechenden lokalen Reiseführer, und unsere Ärztin, Frau Dr. Ursula Bellut, die im Bus mitfährt, übersetzt zügig und tadellos. Der Mount Kinabalu ist 4.100 m hoch und von Wolken eingehüllt. Er wurde 1896 von Stamford Raffles zum ersten Mal bestiegen. Die Stadt Kota Kitabalu wurde im 2.Weltkrieg von Engländern und Alliierten komplett zerstört, um die Japaner auszuschalten. Man verfügt daher nicht über antike Sehenswürdigkeiten, sondern ist stolz auf ein neu erbautes High-Tech-Viertel. Sehenswert ist bestimmt auch die Masjid Bandaraya Moschee, die bis zu 12.000 Moslems aufnehmen kann. Andersgläubigen ist der Besuch aber untersagt. Sabah begeistert mit seiner großartigen Natur. In einem landesüblichen Restaurant werden wir zu einem Mittagessen erwartet. Der Speisesaal ist großzügig und lässt vermuten, dass viele Touristen-Gruppen hier beköstigt werden. Das eigentliche Landesgericht Malaysias ist Satay: Stücke von Rind-, Hühner- oder Lammfleisch werden in einer würzigen Mischung mariniert und gegrillt. Beim Essen taucht man das Fleisch in eine besonders gewürzte süß-saure Sauce. Im angeschlossenen Souvenir-Laden suche ich ein paar schöne Ansichtskarten aus, obwohl die Karten wochenlang – wenn überhaupt – brauchen, um ihr Ziel in Deutschland zu erreichen. Tatsächlich erfuhr ich später, dass Post aus Malaysia 6 Wochen unterwegs war. Der Nationalpark liegt auf einer Höhe von ca. 1500 m und ist ein Paradies für Botaniker. Im Regen wachsen Tausende exotische Pflanzen wie seltene Orchideen, Hyazinthen, Rhododendren , große fleischfressende Kannenpflanzen und die riesige Rafflesia-Blume. Das elegante Shangri-La Hotel in Kota Kinabalu engagiert sich im Natur- und Artenschutz und hat auf dem weitläufigen dschungelähnlichen Grundstück mit staatlicher Hilfe eine Aufzucht-Station für Baby Orang Utans ins Leben gerufen. Auf steilem, holprigem Weg erreichen wir die Besucherplattform. Die kleinen Orang Utans schwingen sich von einem zum anderen wippenden Ast, und jeder von uns versucht, im richtigen Moment ein Foto zu schießen. Später sollen die Tiere im Selilok Orang Utan Park ausgewildert werden. Nur wenig Zeit bleibt uns, den wunderschönen Pool und Hotelstrand des Shangri-La zu genießen. Am späten Nachmittag fahren wir zurück in die Zivilisation. Weil der vorgesehene Stop in Sandakan ausgefallen war, bleiben wir noch zweiten Tag in Kota Kinabalu.

 

Dienstag, 26, März

Aufgrund von Hinweisen des Auswärtigen Amtes über politische Unruhen in Sandakan/Sabah, Malaysia wurde der vorgesehene Stop nicht realisiert. Lange Zeit stand die Küste Sabahs unter britischer Hoheit. Die Briten gründeten in der 1.Hälfte des 20.Jahrhunderts in Sabah Kautschuk- und Kokosnuss-Plantagen und kurbelten die Holzindustrie an. Am 2.Tag unseres Aufenthalts in Kota Kinabalu buche ich einen Ausflug für den Nachmittag mit unserer Diplom-Biologin Brigitte Fugger. Auf der Fahrt zum Rasa Ria Reserve erzählt sie uns aus ihren Fachwissen. Es gibt z.B. nicht weniger als 1200 Arten von Orchideen. Wir laufen durch den Regenwald, der still und geheimnisvoll ist. Bei Sonnenuntergang besteigen wir ein Boot und fahren auf einem See an einem Mangroven-Wald vorbei. Hier scheint die Zeit still zu stehen oder sie hält den Atem an. Beim abendlichen Konzert der Deutschen Stiftung Musikleben unter dem Titel „Es funkeln die Sterne“ in der Europa Lounge schließe ich die Augen und mit Händel, Brahms und Liszt gehe ich in Gedanken noch einmal durch den Regenwald – wie schön ist dort die Welt, so lautlos und mystisch.

 

Mittwoch, 27.März

Einen Tag lang ohne Einkommen-Steuer leben, selbst wenn man davon nicht profitiert, ist doch mal etwas Besonderes. Wir sind nämlich im Sultanat Brunei, wo das kein Märchen, sondern Wirklichkeit ist. Schon seit 7 Uhr ankern wir in Muara/Brunei. Auch wenn SultanHaji Hassan al Bolkia, der im Westen studiert hat, uns nicht zum Tee einlädt, bin ich doch sehr neugierig, welchen Eindruck sein kleines Reich von 5.765 qkm und etwa 400.000 Einwohnern auf mich machen wird. Es muss ein Traumland sein, wo ein kostenfreies Bildungs- und Gesundheitswesen und staatliche Renten für Alte und Bedürftige eine Selbstverständlichkeit sind. Dieser Traum wurde durch Erdöl wahr. Das winzige Sultanat Brunei Darussalam (Hort des Friedens) an der Nordwestküste der Insel Borneo herrschte einst über ganz Borneo und das südchinesische Meer bis zu den Philippinen. Wir fahren mit einem Bus und einem lokalen Reiseführer los, dessen Englisch übersetzt wird. Über gute Strassen erreichen wir die Hauptstadt Bandar Seri Begawan. Alles ist blitzsauber und strahlt im Glanz von vergoldeten Gebäuden und funkelnden Autos. Als erstes besteigen wir ein Boot, das uns zum alten Wasserdorf fährt, das an beiden Ufern des Flusses Sungai fährt. In den Pfahlhäusern wohnen mehrere tausend Menschen. Sie leben völlig unabhängig, verfügen über eigene Schulen, Geschäfte, Moscheen, haben Ärzte und sogar eine Feuerwehr. Auch Wasser- und Stromanschlüsse sind vorhanden. Über schwingende, hölzerne Stege und Brücken ist eine Verbindung gegeben. Wir werden in eines der Häuser eingeladen und mit Tee und Gebäck verwöhnt. Aber aller Wohlstand lässt nicht vergessen, dass es hier heute besonders schwül ist. Als wir nämlich zurück an Land vor der Moschee-Omar-Ali-Saifuddin stehen, bricht die Schwüle alle Rekorde. Jemand sagt, dass heute 95% Luftfeuchtigkeit herrscht, kein Wunder, dass mir Schweißperlen von der Stirn tropfen. Die Moschee wurde 1958 unter dem Vater des heutigen Sultans gebaut. Etwas außerhalb der Stadt auf einer Anhöhe befindet sich die Sultan Residenz, deren zwei goldene Kuppeln weithin sichtbar sind. Das 1984 fertiggestellte Märchenschloß hat 1700 Zimmer, 300 Bäder und die 200 edlen Pferde des Sultans stehen in klimatisierten Ställen. Der Sultan soll auch eine Vorliebe für teure Automobile haben, und er liebt Polo- und Reitsport. Für seinen 35-jährigen Sohn, Prinz Mohamed-al-Bolkiah ist ein Palast im Bau, der bei dessen Amtsübernahme als Sultan fertiggestellt sein wird. Bruneis eigene Währung ist der Brunei Dollar (€ 1 = BND 1,61). Das Royal Regalia Building ist ein Museum mit der umfassenden Sammlung über die königliche Familie. Hier ist eine Besonderheit für mich, dass wir vor dem Museum die Schuhe ausziehen müssen. Auf der Rückfahrt zum Schiff besichtigen wir noch die Jame’Asr Hassanil Bolkiah Moschee. Sie liegt in einem Landschaftsgarten und wurde zum silbernen Thronjubiläum des Sultans 1997 erbaut. Mit ihren 29 goldenen Kuppeln, die auf den 29.Sultan hinweisen, ist sie die prachtvollste Moschee in Brunei. Zu einem solchen Tag wie dem heutigen passt ein Glas Champagner vor dem Abendessen, auch wenn ich es selbst bezahlen muss.

 

Donnerstag, 28.März

„Nein, heute habe ich keinen Ausflug gebucht“ antwortete ich auf Befragen am Frühstücks-Tisch. Wir sind in Bintulu/Sarawak/Malaysia angekommen. Unser Lektor hat uns schon vor einigen Tagen auf die Niah-Höhlen vorbereitet. Die Höhlen, in der vor 40.000 Jahren Menschen Felsmalereien hinterlassen haben, liegen im Niah-Caves-Nationalpark, der vom Hafen aus in zweistündiger Anfahrt in einfachen Busses zu erreichen ist. Am Eingang des Nationalparks steigt man in Boote um und erreicht nach kurzer Überfahrt das gegenüberliegende Flussufer. Von dort geht es insgesamt drei Stunden auf teilweise rutschigen Holzplanken durch den Regenwald in die dunklen Höhlen, die mit vielen Treppen versehen sind. An den Höhlendecken bauen die Salaganen-Segler ihre Nester aus schnell erhärtendem Speichel. Die Vorstellung, dass diese Nester kurz vor der Brutsaison als Delikatesse geerntet werden, gefällt mir nicht. Auch die Tatsache, dass das Dschungelgebiet ein reiches Tierleben aufweist, es Langschwanz-Makaken, Nashornvögel, Flugdrachen und Hunderte von Schmetterlingsarten gibt und die Niah-Caves zu den größten Höhlensystemen der Welt  zählen, kann mich nicht zu einer Teilnahme am Ausflug, für den neun Stunden angesetzt sind, bewegen. Heute Abend findet die Abschieds-Gala statt, denn übermorgen werden wir in Singapur ankommen. Meine erste Etappe Hongkong-Singapur wird dann beendet sein.

 

Freitag, 29.März

607 Seemeilen bis Singapur. Heute ist Karfreitag, der höchste Feiertag der Protestanten und die Bordgeistliche feiert Gottesdienst mit den evangelischen Christen. Lektor und Asien-Experte Knut Edler von Hofmann referiert über das Thema „Singapur –die Löwenstadt“. Ich bin ziemlich aufgeregt, denn am Nachmittag werde ich das erste Mal skypen. Von meiner Kabine aus wird die Verbindung mit Köln aufgebaut. Es ist erstaunlich, wie die Technik funktioniert. Man stelle sich vor: ich sitze in meiner Kabine auf der M/S Europa, die sich im Südchinesischen Meer zwischen Borneo und Singapur befindet und sehe meinen Gesprächspartner im ca. 10.000 km entfernten Köln. Das ist für mich mit Null technischem Verständnis unbegreiflich und sensationell. Ich schlendere dann über die Promenade auf dem Europa Deck, vorbei an Havanna Bar und Clipper Lounge, und mein Blick wird angezogen von den glitzernden Auslagen des Juwelier Wempe. Warum nicht mal wieder in die Boutique hineinschauen, die immer attraktive Angebote hat? Hier weiß man genau, dass die Passagiere oft Zeit und Lust haben, sich verführen zu lassen. Man wechselt ein paar nette Worte und schaut sich um. Im Club Belvedere auf dem Lido Deck findet heute das Abschieds-Konzert der Deutschen Stiftung Musikleben statt. Es herrscht Abschiedsstimmung auch bei den morgen von Bord Gehenden. Schade, dass unsere gesellige, homogene Tisch-Runde sich auflöst. Ein Glück nur, dass wenigstens Herr Maier-Holthusen, mein netter Tisch-Nachbar bis Dubai an Bord bleibt.

Ostersamstag,30.März

Singapur. 300 der 460 Passagiere machen sich für die Ausschiffung bereit. Ein letztes Mal sehe ich das eine oder andere freundliche Gesicht. Man wünscht sich alles Gute. Der gläserne Aufzug ist dauernd in Fahrt und bringt Abreisende von den höher gelegenen Decks zum Europa Deck, von wo heute die Ausschiffung erfolgt. Die am Gala-Abend vom Bord-Fotografen aufgenommenen Bilder können noch auf dem Pazifik-Deck erworben werden. Dort am Foto-Shop sind immer die neuesten Fotos ausgehangen. Kapitän Damaschke, Kreuzfahrt Direktor Thurein und Maitre d’Hotel Tizianna La Rocca verabschieden die Gäste dankend per Handschlag, und eine Reihe von Besatzungsmitgliedern eskortiert die Abreisenden bis zu den Busses oder zum Taxi. Es klappt alles tadellos, die Koffer stehen gut sortiert nach Bus-Nummern und werden nach Identifizierung verladen. Ich gehe zum Frühstück. Am Fenster sitzend begrüße ich die Löwenstadt „singa puna“. Der Name setzt sich zusammen aus Singha (Löwe) und Pura (Stadt). Anlass für die Namensgebung soll die Erscheinung eines löwenähnlichen Meerungeheuer gewesen sein. Von meinem Frühstücksplatz aus sehe ich die Seilbahn, die vom Mount Faber (110 m) über den Hafen in die Stadt hinuntergleitet. Meine Gedanken gehen zurück zu einem früheren Besuch in Singapur mit Horst. Damals begann unser Singapur-Aufenthalt hier. Nach dem Frühstück mache ich mich allein auf Erkundungs-Tour in Singapur. Ein Taxi (Taxi-Preise sind hier niedrig) fährt mich zum berühmten Botanischen Garten, der zu den schönsten Tropengärten der Welt zählt. Er wurde 1859 angelegt. Fußwege führen in vielen Windungen durch die weitläufige Anlage, in der man Tausende von Orchideen, einen kleinen See mit Wasserlilien, eine Fülle alter Bäume, Lianen und Farne sieht. Es ist heiß, und die Sonne ist so intensiv, dass ich meinen Mini-Knirps öffne und so etwas Schutz habe. Eine kleine Erfrischung tut gut. Später beende ich meinen Rundgang am Eingang und nehme wieder ein Taxi und lasse mich durch die Orchid Street zum Tudor Court Shopping Centre fahren. Das klimatisierte Einkaufszentrum ist sehr groß. Wie gern hätte ich wie damals das legendäre Raffles Hotel aufgesucht, um einen Singapur Sling Cocktail in dem traditionellen, sehr eleganten Haus zu trinken, wo Sommerset Maugham manche seiner Erzählungen geschrieben hat. Aber, erstens ist früher Nachmittag und zweitens würde mir ein kurzer Aufenthalt dort nicht genügen. Die 5 Millionen Staat-Stadt ist für mich ein moderner Traum mit einem Touch Nostalgie und Tradition. Die Wolkenkratzer sind nicht nur hoch, sondern auch von einer extravaganten Vielfalt, die ihresgleichen sucht. Es tut mir leid, dass ich nicht ein paar Tage hier bleiben kann. Die Zeit fliegt dahin und nach einem ausgiebigen Bummel steige ich erneut in ein Taxi und nenne mein Ziel: das Kreuzfahrt-Schiff M/S Europa im Hafen Perlabuhan. Zur Sicherheit halte ich dem Taxi-Fahrer, der sich als Chinese outet, einen vom Schiff mitgegebenen Plan in DIN A4 Format unter die Augen, auf dem die Europa und der Liegeplatz gut ersichtlich sind. Das Englisch des Taxi-Fahrers lässt mich nichts Gutes ahnen. Die Verständigung ist mühsam aber kontinuierlich. Vielleicht kann der Mann nicht lesen? Schnell fahren kann er jedenfalls. Nur wundert es mich, dass wir so lange unterwegs sind „Are you sure that we will arrive at Perlabuhan Port“? frage ich und er nickt ganz zuversichtlich. Also weiter. Endlich sehe ich das Meer und atme erleichtert auf. Aber ich kenne die Gegend überhaupt nicht wieder. Ein großes Eisentor öffnet sich automatisch und hinter einem Fenster fragt ein Mann, wohin wir wollen. Als er M/S Europa hört, wehrt er energisch ab. „hier ist der Hafen für große Kreuzfahrtschiffe, die kleineren ankern im Perlabuhan Hafen“. Die Reaktion des Taxifahrers war verblüffend. Der Mann lachte so herzlich, als ob er gerade einen guten Witz gehört hätte. Ich sagte ihm, dass das eher zum Weinen sei, zumindest für mich, denn wir müssen noch ca. 6 km fahren. Immerhin komme ich noch pünktlich vor Ablegen des Schiffes um 19 Uhr an und hatte nicht nur einen schönen, sondern auch einen aufregenden Tag in Singapur.

2.Etappe der Reise:

Singapur – Port Kelang (Kuala Lumpur, Porto Malai (Malaysia), Colombo (Sri Lanka), Cochin, Mumbai (Indien) – Dubai (Vereinigte Araische Emirate)

 

Oster-Sonntag 31.März

Wo habe ich schon Ostern verlebt? Mir fällt gleich Hongkong ein. Vor Jahren waren Horst und ich über die Feiertage dort, und ich sehe vor meinem geistigen Auge rot-, blau- und grün-gefärbte Küken, die in einem kleinen Voliere mitten in der Hotelhalle zu meinem Entsetzen herumhuschen. Überall sind Osterhasen aus Pappe aufgestellt und Horst begutachtet seinen bei einem Schnell-Schneider gefertigten Anzug, der nicht so recht saß. Ein anderes Osterfest beging ich allein in Philadelphia, wo ich am Oster-Sonntag nach einem Gottesdienst-Besuch in der katholischen Cathedral Saint Peter and Paul ins Philadelphia Museum of Art ging und im Museums-Restaurant ein gutes Lunch einnahm. – Aber jetzt war ich in Malaysia. Nach dem gestrigen aufregenden Besuch in Singapur lernten wir beim Abendessen die Neuankömmlinge an unserem Tisch kennen: ein Ehepaar aus Wien und einen Herrn aus Berlin. Wir machten uns gegenseitig bekannt und Herr Maier-Holthusen und ich galten als „alte Hasen“. Seit 8.00 Uhr in der Früh ankert die M/S Europa im Hafen von Port Kelang. Ich habe heute einen Tages-Ausflug unter dem Titel „Kuala Lumpur – Tradition und Moderne“ gebucht, der als anspruchsvoll angeboten war. Das Frühstück nehme ich wie meistens im Europa-Restaurant ein. Vor dem Eingang zum Restaurant hat man einen Bogen gebaut, der über und über mit bunten Frühlingsblumen besteckt ist. Eine wunderschöne Überraschung! Auf den Tischen hat der Osterhase sogar kleine Nester mit bunten Eiern und Süßigkeiten hingestellt und Frühlingsblumen fehlen auch hier nicht. Um 9.30 Uhr setzt sich unser Bus in Richtung Kuala Lumpur, 70 km entfernt, in Bewegung. Während der 1-1/2-stündigen Fahrt über gute Straßen und eine vierspurige Autobahn mit dichtem Links-Verkehr erfahren wir von unserem neuen landeskundlichen Lektor und Schnellsprecher Herrn Wolfgang Peters viel Wissenswertes. Aus dem früheren Armutsstaat ist ein Wohlfahrtsstaat geworden. Malaysia ist der größte Kautschukproduzent, aber auch Öl, Holz und Zinn, sowie Tourismus bringen Devisen. Wir fahren lange Zeit an abgeholzten Mangrovenwäldern und neuen, eintönigen Wohnblocks vorbei. Das allgemein nur mit dem Kürzel „KL“ benannte Kuala Lumpur zählt zu den am schnellsten wachsenden Metropolen Asiens mit jetzt 1,5 Millionen Einwohnern. Die Nationalmoschee, die Masjid Negara hat 48 kleine Kuppeln und deren Dekors sind der großen Moschee von Mekka nachempfunden. Die Architektur aber ist futuristisch. Das 76 m hoch aus einem Wasserbecken emporragende Minarett gleicht eher einer Rakete. Das Dach der Moschee ist fächerförmig angeordnet, die Hauptkuppel trägt einen Stern mit 18 Zacken. Er versinnbildlicht die 13 Staaten Malaysias und die 5 Grundpfeiler des Islams. KL ist Universitätsstadt mit 7 Fakultäten. Das Wahrzeichen der Stadt sind die Petronas Twin Towers mit 452 m Höhe, benannt nach einer Ölgesellschaft. Ein Höhepunkt des Tages ist ein Besuch der Batu Caves, 15 km nördlich von KL. Das sind mächtige Kalkstein-Höhlen, die mehrere Hindu-Tempel beherbergen. Die größte Höhle ist die sogenannte Kathedralenhöhle, zu der eine Treppe mit 272 Stufen empor führt. Auf dem Vorplatz steht die 42 m hohe Statue des Gottes Murugan. Zu Hinduistischen Festen, aber auch heute bei einer hohen feuchten Temperatur, pilgern die Hindu-Gläubigen und auch mehrere aus unserer Gruppe zu der Kathedralenhöhle.  Ich will mir das nicht antun und schaue mich auf dem Vorplatz um, wo es Verkaufsstände gibt.

Das Mittagessen nehmen wir in dem luftigen Gartenhaus eines vornehmen Restaurants ein. Es besteht aus vielen Köstlichkeiten der malaiischen Küche (z.B. Fisch mit Cashew-Nüssen, Nudeln mit Garnelen, Huhn mit Kokoknuss, diverse Gemüse und pikante Rindfleischstreifen. Im Garten des Restaurants tummeln sich Makkaken und auch diverse Schildkröten sind dort zuhause. Am Abend gab es zu Ehren der Neuankömmlinge eine Oster-Willkommens-Gala.

 

Ostermontag, 1.April

Was ist denn das? Das Tagesprogramm ist durchsetzt mit Kauderwelsch. Die Erklärung erhalten wir schon beim Frühstück, wir wurden nämlich in den April geschickt. Wahr ist aber, dass wir mittags für wenige Stunden in Porto Malai/Langkawi Malaysia) anlegen. Wer Lust hat, kann zu einem der zahlreichen schönen Badestrände, die auf verschiedenen Inseln ringsum sind, fahren und im grünblauen Meer schwimmen. Die Schönheit der Inseln soll trotz Luxushotels unversehrt geblieben sein. Ich bin keine Sonnenanbeterin und muss mir deshalb manche lockende Bademöglichkei t verkneifen. Also bleibe ich an Bord. Frische Waffeln werden im Lido Café angeboten, und in der Bibliothek finde ich ein weiteres Buch von Martin Walser. Nach dem „Ein liebender Mann“ leihe ich mir „Das dreizehnte Kapitel“ aus. Das Abendessen wird im Europa-Restaurant vom gehobenen Personal serviert. Offiziere mit Schürzen bedienen die schmunzelnden Passagiere und Kapitän Damaschke stemmt gerade ein Tablett beladen mit Geschirr auf seiner Schulter. Irgendwie klappt die Sache ganz gut. M/S EPORUA vsrälest Prtoo Malai/Mlyiasaa und nmmit Krus auf Coomblo/Sri Lkana. Die Efnerntnug dihtorn bgrätet 1243 Seelmieen (sm)

 

Dienstag, 2.April

Auf dem Weg nach Sri Lanka ist heute wieder ein Seetag. Mir gefallen Seetage auch, zumal stets für Abwechslung gesorgt ist. Am Vormittag steht ein Vortrag über Hinduismus auf dem Programm. Obwohl ich Yoga, Pilates und Aquagymnastik der Benutzung von Sportgeräten vorziehe, nehme ich am Rundgang durch das Fitnessstudio teil. Der Personal Trainer erklärt kurz die Fitness-Geräte und ihre Handhabung. Es wird u.a. Ganzkörpertraining mit den Geräten von miha bodytec (nicht im Reisepreis enthalten) angeboten, aber auch hochwertige Geräte von Technogym mit TV-Unterhaltungsprogramm an jedem Cardiogerät. Der Personal Trainer kann gegen Entgelt gebucht werden. Mir genügen die Gymnastikkurse in frischer Meeresluft. In meinem Briefkasten liegt eine Einladung vom Kreuzfahrtdirektor für heute Nachmittag um 16 Uhr. In der Galerie kommen die alleinreisenden Gäste zu einem gemütlichen und exklusiven Kaffeetrinken zusammen. Gleichzeitig stellt der Gallerist Till Bräuning aus Hamburg seine Ausstellung zum Thema Schifffahrt vor. Übrigens mussten die Uhren in der letzten Nacht um eine Stunde zurückgestellt werden, die Zeitdifferenz mit zuhause beträgt jetzt noch 6 Stunden. Zum Abschluss des Abends gehe ich noch in den Club Belvedere  auf dem Lido Deck, wo Professor Dr.Sucher eine Lesung mit Werken von Joachim Ringelnatz gibt.  

 

 

Mittwoch, 3.April

Heute ist ein zweiter Seetag. Von Porto Malai/Malaysia bis zum nächsten Ziel Sri Lanka sind es immerhin 1243 Seemeilen (= 2302 km). Von meinem Balkon aus sehe ich nur Wasser soweit das Auge reicht, der Indische Ozean. Unser Kapitän gibt am Vormittag immer die aktuellen Angaben zur Lufttemperatur, Wassertemperatur, Wassertiefe, Luftbewegung etc. Wenn er durchgibt, dass die Wassertiefe 10.000 m beträgt, fragt man sich, wie viel Leben sich unter unserem kleinen (!) Schiff abspielt. Um 10 Uhr hält Lektor Wolfgang Peters einen Vortrag über den Buddhismus. Nie zuvor hatte ich etwas über diese Religion gehört. Sein Begründer war ein Prinz namens Siddhartha, der auf seinen Thronanspruch verzichtete, um die Antwort auf die Frage zu suchen, warum Alter, Krankheit und Tod nicht zu besiegen sind. Unter dem Boddhibaum von Bodhgaya kam ihm die Erleuchtung. Gar nicht philosophisch geht es am Nachmittag in der Galerie zu. Dort findet ein Workshop über die Wickeltechnik für Saris in Vorbereitung auf die Stopps in Indien statt. Man stelle sich vor, wie etwa 15 Damen, umgeben von einem Angebot von Saris, eifrig bemüht sind,  sich Stoffbahnen von 6 m Länge um den Körper zu wickeln, fachmännisch angeleitet durch die Kostümbildnerin und Stylistin Claudia Valorzi. Viele Damen kauften sich einen Sari, um in einigen Tagen bei einer indischen Nacht stilvoll aufzutreten. Ich kaufte mir keinen Sari, weil ich zwei solcher Outfits schon zuhause habe, für die ich kaum einmal Verwendung finde.

Donnerstag, 4.April

Heute ist noch ein Seetag. Ich fühle mich nicht ganz fit und gehe nach dem Frühstück vorsichtshalber ins Krankenhaus herunter, um von Frau Dr.Bellut ein paar Tabletten gegen Halsschmerzen zu erbitten. Unten sitzen schon drei Personen im Warteraum. Immerhin ist mein Blutdruck in Ordnung und die paar Tabletten werden mir helfen, wieder ganz fit zu werden. Es regnet tüchtig und die Sonne hält sich bedeckt.

 

Lektor Peters erzählt uns etwas über Colombo, Haupt- und Hafenstadt von Sri Lanka, vormals Ceylon genannt. Da ich morgen einen 9-stündigen Ausflug in Sri Lanka gebucht habe, faulenze ich heute und nehme noch nicht einmal am klassischen Konzert nach dem Abendessen teil, in dem die amerikanische Sopranistin Christine Brewer auftritt. Ich vertiefe mich in meinen neu ausgeliehenen Roman, sehe mir die ARD-Nachrichten vom Vortag im Fernsehen an und hoffe, morgen für die große Fahrt wieder ganz auf dem Damm zu sein.

 

Freitag, 5.April

Bei Sonnenaufgang um 6.00 Uhr sind wir in Colombo angekommen. Bereits bei Dämmerung sind Händler im wenig schönen Hafengelände damit beschäftigt, ihre Verkaufsstände für Käufer zu füllen. Ich fühle mich wieder wohl.

Bevor meine Tour „Landschaftsfahrt mit dem Viceroy-Zug und Elefanten-Waisenhaus“ um 8:30 Uhr losgeht, kann man sich schon Geld auf dem Schiff umtauschen. Einheimische Geldwechsler sitzen auf dem Abfahrts-Deck bereit, ihre Sri-Lanka-Rupien an den Mann zu bringen. Ein Bus fährt uns zum 1,5 km entfernten Bahnhof – es sind 29 Grad Celsius und die Sonne scheint –wo ein nostalgischer Eisenbahn-Zug , der eigens für unsere Gruppe gechartert wurde, auf uns wartet. Wir sitzen auf bequemen stoffgepolsterten Sitzen und auf den dazwischenstehenden Tischen wird uns guter Ceylon-Tee mit Gebäck serviert. Drei große Ventilatoren drehen sich träge an der Decke und sorgen wohltuend für etwas Luft. Während der 2-1/2-stündigen angenehmen Bahnfahrt passieren wir einzelne kleine Dörfer und sehen viel grüne einsame Landschaften, Reisfelder und Kokospalmen.

Die Sitte, Milch in den Tee zu geben, hat man in Ceylon von den Engländern gelernt, die Ende des 18. Jahrhunderts die Holländer ablösten. Die allerersten Kolonialisten waren die Portugiesen, die die christliche Religion mitbrachten. In Colombo herrscht so ein Nebeneinander von fernöstlicher und westlicher Architektur: Zahlreiche Hindu- und buddhistische Tempel, christliche Kirchen und Bauten im niederländisch-britischen Kolonial-Stil.

1948 wurde Ceylon unabhängig und hat heute etwa 20 Millionen Einwohner.

 

Ein anderer Ausflug geht per Helikopter nach Kandy. Diese Stadt liegt inmitten des grünen Hügellandes im Inselinnern. In Kandy ist der berühmte Zahntempel, in dem ein Zahn Buddhas aufbewahrt wird, eine der wichtigsten Pilgerstätten des Buddhismus.

 

An unserem Ziel Pinnawala, nahe der Stadt Kegalle, erreichen wir über eine Gasse mit Souvenir-Läden, wo ich einen großen Sonnenhut ergatterte, die große Wasserstelle am Ma Oya. Bekannt ist der Ort Pinnawala durch ein Elefanten-Waisenhaus, wo verwaiste oder verwundete Elefanten in natürlicher Umgebung betreut werden und in den Fluten planschen können. Vom angrenzenden Elephant Park Hotel aus kann man die etwa 20 – 25 großen und auch kleinen Tiere beobachten. Es ist uns überlassen, wann wir unser Mittagessen dort vom reichhaltigen Buffet einnehmen. Ich will zuerst Fotos machen; es sind, wie ich meine, zu viele geworden, wobei ich mit der Qualität nicht zufrieden bin. Die Elefanten sind ständig in Bewegung, baden sichtlich genüsslich im braunen Wasser und streben immer von der Terasse des Hotels weg. So habe ich die meisten Tiere von hinten fotografiert. Aber ich bin von der Vielzahl beeindruckt. Nachdem alle Teilnehmer satt sind, besuchen wir auch noch eine kleine Station, wo Baby-Elefanten gerade gefüttert werden. Dass die Jungtiere an einem Hinterfuß angekettet sind, gefällt mir nicht.

 

Die Rückfahrt nach Colombo, 90 km, erfolgt auch wieder mit dem Sonderzug. Den Bahnhof erreichen wir in der Rush Hour. Hunderte von Berufstätigen fallen in den Bahnhof ein, und wir müssen uns förmlich hinauskämpfen.

 

Meine Erinnerungen an Sri Lanka sind eine üppige Natur und viele geduldige Elefanten, die so wuchtig und stark sind und sich dennoch brav ihren vergleichsweise kleinen Betreuern gehorsam unterordnen. 

 

Samstag, 6.April

Von Colombo aus waren es 313 Seemeilen bis Cochin in Süd-Indien. Wir sind den ganzen Tag unterwegs und sind um die Spitze von Indien im Süden herumgefahren und werden erst am späten Nachmittag in Cochin im Bundesstaat Kerala ankommen. Mit seiner Nähe zum Äquator ist Kerale tropisch, üppig bewachsen und grün.

 

Um 18:00 Uhr hat die Europa ihren Liegeplatz an der Küste des Arabischen Meeres eingenommen. Auf dem Wasser herrscht reger Schiffsverkehr. Die Stadt Cochin liegt teilweise auf dem Festland und auf mehreren Inseln und hat 600.000 Einwohner. Die wichtigsten Stadtteile sind Ernakulam auf dem Festland und Fort Cochin und Mattancherry auf Halbinseln.

 

Direkt nach Ankunft findet eine Einreise-Kontrolle in der Europa Lounge statt. Es müssen sich alle Passagiere und Besatzungsmitglieder bei den Behörden vorstellen. Für den morgigen Ausflug erhält jeder eine Paßkopie und eine Landgangskarte. Es kommt auch ein Geldwechsler an Bord, bei dem indische Rupien (INR) erworben werden können. 1 Euro = 70,48 INR.

 

Nach dem Abendessen findet am Lido Pool eine Indische Nacht statt. In echt indischer Atmosphäre ist ein kleiner Basar mit 1001 Gewürzen aufgebaut, die einem exotischen Duft verströmen. Gaukler und mitreißende indische Musik sorgen für Stimmung. Der „Kathakali“-Tanz wird im Licht von Öllampen dargeboten. Es handelt sich hierbei um einen traditionellen Tanz, der im Stadtteil Ermakulum beheimatet ist und normalerweise auf religiösen Festen getanzt wird. Die Tänzer, ausschließlich Männer, tragen kostbare, phantasievolle Kostüme und haben ein kunstvolles Make-up.

 

Die Damen, die an Bord einen Sari erstanden und die Wickeltechnik erlernt haben, haben nun ihren Auftritt und ernten verdienten Applaus.

 

Sonntag, 7.April

Von meinem Balkon auf der Steuerbord-Seite des Schiffes (= Fahrtrichtung rechts) habe ich eine malerische Aussicht auf Fort Cochin mit vielen chinesischen Fischernetzen. Diese Senknetze werden hauptsächlich bei Flut eingesetzt und müssen von mehreren Männern gezogen werden.

 

Der von mir gebuchte Ausflug beginnt mit einer Bootsfahrt nach Mattancherry, wo der Dutch Palace (Holländisches Haus) aus dem 16.Jahrhundert besucht wird mit lebhaften, farbigen Fresken an den Wänden mit Götter-, Menschen- und Tierdarstellungen aus der hinduistischen Mythologie, dem Ramajana-Epos. Nächstes Ziel ist die jüdische Synagoge von 1568 im Judenviertel. Bemalte Türen führen ins Innere. Der Fußboden ist mit herrlichen, 300 Jahre alten blauen chinesischen Fliesen bedeckt. Eine Erklärung für uns, warum wir vor Betreten der Synagoge unsere Schuhe ausziehen müssen. Hinter einem Brokatvorhang werden die Thorarollen aufbewahrt. Eine weitere Bootsfahrt bringt uns nach Fort Cochin, wo die St.Francis Church, das älteste europäische Gotteshaus auf indischem Boden steht, das von Europäern erbaut worden ist. 1524 wurde hier Vasco da Gama für 14 Jahre beigesetzt,  bei Erreichen Indiens nach Umseglung des Kap der Guten Hoffnung. Später wurden die sterblichen Überreste nach Lissabon überführt. Der Grabstein befindet sich noch hier.

 

Zu Fuß gehen wir am Meeres-Ufer entlang, wo Fischer mit ihrem Fang auf Käufer warten. Die Seefischerei in Cochin ist bedeutend. Besonders Sardinen und Makrelen werden gefangen. Es herrscht ein geschäftiges Treiben, schön, dass man sich durch uns Touristen nicht stören lässt.

 

Es ist sehr heiß und mir ist es ganz recht, dass wir auf dem Boot, das uns zum Schiff zurückbringt, einen angenehmen Fahrtwind haben. Mit Trinkwasser ist man auch hier großzügig. Zurück auf dem Schiff, ist eine sofortige Dusche wohltuend.

 

Das Abendessen im Lido Café steht unter dem Thema „Gewürz-Menue der Sinne“, für das Frau Bettina Matthaei, Kochbuch-Autorin und Designerin verantwortlich ist. Unter Verwendung der Gewürze dieser Reise hat sie ein Menue zusammengestellt u.a. mit verschiedenen Curry-Mischungen von mild bis feurig scharf.

Im Europa-Restaurant gibt es wie immer internationale Küche, im italienischen Restaurant Venezia werden „Fische aus dem Meer und Lamm aus den Bergen“ angeboten und im Restaurant Dieter Müller serviert man Dieter Müllers Klassiker.

 

Montag, 8.April

Von Cochin bis nach Mumbai (Bombay) müssen 604 Seemeilen zurückgelegt werden. Das bedeutet ein Seetag an Bord, viel Wasser ringsum, aber durchaus keine Langeweile. Wir gleiten durch das Arabische Meer, das ein Randmeer des Indischen Ozeans zwischen der Arabischen Halbinsel und Indien ist. Im Nordwesten grenzt das Arabische Meer an den Golf von Oman, der mit dem Persischen Golf verbunden ist. Das klingt geheimnisvoll und märchenhaft.

 

Aber, Kapitän Damaschke ruft seine Passagiere zu einer obligatorischen Zusammenkunft in die Europa Lounge zusammen. Es geht um Informationen und Vorkehrungen im Zusammenhang mit möglichen Piratenangriffen. Er teilt uns mit, dass einige ausgebildete Piraten-Schutzleute an Bord genommen wurden, vorsichtshalber. Laut diesen Spezialisten agieren die Piraten von Schnellbooten aus, die von einem Mutterschiff gesteuert werden. Diese erfahrungsgemäß stark bewaffneten Piraten  zwingen die Schiffe zum Anhalten. Es handelt sich um gut organisierte Banden. Aus Sicherheitsgründen wurde der Bug der M/S Europa im Laufe des Tages mit einem Stacheldraht-Zaun geschützt, weil der Bug die am leichtesten zu überwindende Stelle des Schiffes ist. Mit allerlei im Notfall einzuhaltenden Vorschriften werden wir entlassen und jeder hofft, dass es bei diesen Vorsichtsmaßnahmen bleibt. Als allerdings am späten Nachmittag ein Flugzeug in niedriger Höhe die M/S Europa überfliegt, war mir doch etwas mulmig zumute.

 

Am Abend gehe ich mit einer netten Düsseldorferin ins noble Dieter Müller Restaurant. Die Sternekoch-Legende verwöhnt seine Gäste in dem kleinen, feinen Restaurant mit 26 Plätzen und lässt kulinarische Kreationen servieren, begleitet von dazu abgestimmten Weinen. Der Patron, der an 70 Tagen im Jahr anwesend ist, begrüßt auch heute seine Gäste. Ich kenne Herrn Müller persönlich von seinem vormals geführten Restaurant im Schloss Lerbach in Bergisch-Gladbach und von einem bei ihm dort belegten Kochkurs.

 

Dienstag, 9.April

Bombay oder wie es seit 1996 offiziell heißt erreichen wir um 7:00 Uhr. Die riesige Hauptstadt des Bundesstaates Maharashtra hat 12,5 Millionen Einwohner

 

In mir weckt diese Stadt in erster Linie schlimme Erinnerungen, weil ich bei meinem ersten Besuch vor Jahren total malad hier eine Rundreise durch Rajastan und Gujarat beendete. Ich hatte – und das wusste ich damals noch nicht – eine beginnende Gürtelrose, und ich war so krank, dass ich befürchtete, den Rückflug nach Deutschland nicht durchhalten zu können.

 

Also gab es heute ein Wiedersehen mit dieser Stadt. Ich habe mich für den Ausflug „Erlebnis Mumbai – verschiedene Facetten der indischen Metropole“ entschieden (anspruchsvoll). Bei Buchung der Tour wurde empfohlen, bequemes, festes Schuhwerk zu tragen. Dieser Rat war, wie sich bald herausstellen sollte, nützlich.

 

Eine nette Inderin mittleren Alters empfing uns mit gut verständlichem Deutsch, und warnte uns vor Beginn des einstündigen Rundgangs zu Fuß vor großen Löchern und Unebenheiten der Bürgersteige. Kaum hatte sie dies ausgesprochen, stolperte sie so unglücklich, dass sie blutige Lippen und Abschürfungen an Nase und Wangen hatte. Die Arme zeigte sich tapfer und lehnte kategorisch ab, die Führung gar nicht erst zu beginnen. Also folgen wir ihr. Der Autoverkehr auf den breiten Hauptstraßen ist sehr dicht. Wir kommen an der St. Thomas Kathedrale; wir gehen kurz hinein. Das Rathaus ist ein neoklassizistischer Bau. Zahlreiche Gebäude im Zentrum von Mumbai haben eine historische Bauart, teils sind sie von einem britischen und teils von einem Mogul Stil inspiriert. Wir kommen zum Victoria Terminus Bahnhof. Das ist ein palastartiger Kolonialbau im gotisch-viktorianischen Stil, der als Unesco Weltkultur-Erbe eingestuft is. Ich entdecke ein paar magere Kühe an einer ruhigen Kreuzung. Sie werden gerade von ein paar alten Frauen gefüttert. Von meinem ersten Besuch habe ich mehr Kühe in Erinnerung. Vor der Mumbai University breitet sich ein grosses Cricket Feld aus. Bevor wir einen ausgiebigen Spaziergang über den legendären Crawford Market machen, macht uns unsere Stadtführerin noch auf den Uhrturm und das High Court aufmerksam. In der Markthalle lernen wir Gemüse, Kräuter, Gewürze und Zutaten kennen und staunen über das saubere und übersichtliche Angebot.

 

Das Überqueren der Hauptstrassen ist ein riskantes Unternehmen, weil die mehrspurigen Fahrbahnen im ziemlich hohen Tempo befahren werden und es keine Ampeln gibt. Weiter geht es vorbei an geschäftigen Fußgängern zur Churchgate Station, vor deren Eingang Kuriere (sogenannte Dabba-Wallahs) mittags Hausmannskost in Henkelmännern ausliefen – ein perfektes Netzwerk, das typisch für die Stadt ist. Durch den Bahnhof führt uns unsere ramponierte Stadtführerin zu einer Station, wo wir einen Nahverkehrszug besteigen, um zum Wäscherei-Viertel „Dhobi Ghat“ zu gelangen. Hier kann man erleben, wie ohne moderne Hilfsmittel Berge von Wäsche auf traditionelle Art und Weise gewaschen und getrocknet werden. 10.000 Menschen waschen die Wäsche aus den Restaurants, Hotels, Krankenhäusern und Privathaushalten der Stadt. In Hunderten von Betonbecken nebeneinander steht je ein Mann in Seifenlauge und schlägt Wäschestücke auf einen Stein. Die Frauen bügeln die Wäsche mit Bügeleisen, die mit glühender Kohle betrieben werden. Uns bieten sich reichlich Foto-Motive an, währenddessen halbwüchsige Kinder allerhand kleine Souvenirs an den Mann zu bringen versuchen. 

 

Das Mittagessen nehmen wir ganz stilvoll in einem gutem Restaurant ein, zu dem auch ein Glas Wein nicht fehlt.

Indische Rupien INR sind die Landeswährung. 1 Eur = 0,48 INR.

 

Nach der erholsamen Mittagspause nimmt uns ein Bus auf und fährt uns über den High Court – das ist eine elegante Uferstrasse – zum Gandhi Museum (Mani Bhavan), wo das Leben und Wirkenvon Mahatma Gandhi in zahlreichen Schaukästen illustriert wird. Während seines Aufenthaltes in Mumbai wohnte Gandhi immer in diesem Haus eines Freundes. Durch das vornehme Diplomaten-Viertel gelangen wir zum Gateway of India. Dieser Triumphbogen am Meer erinnert an die erfolgreiche Indien-Reise George V, bei der er zum Kaiser von Indien gekrönt wurde. Von hier legen kleine Barkassen zur Elephanta Island ab.

 

Hier verlasse ich die Gruppe und besuche zusammen mit Ehepaar Falter das Taj Mahal Hotel, wo ich seinerzeit mit Horst gewohnt hatte und das ich wiedersehen wollte. Dieses Hotel wurde 2008 Ziel eines Terrorangriffs  und 2010 nach Wiederherstellung wieder eröffnet. Wir schauten uns die interessanten Geschäfte im Hotel an und nachdem wir in der Bar einen Drink eingenommen hatten, fuhren wir drei per Taxi zurück zum Schiff.

 

Bombay als Mumbai nach 20 Jahren wiederzusehen war schon etwas Besonderes. Mein Leben hat sich verändert und diese Stadt scheint mir auch – und nicht nur namentlich - verändert. Eine staatliche Krankenversicherung und Rente gibt es zwar heute auch noch nicht, aber ich habe den Eindruck, dass die Armut nicht mehr so greifbar ist. Allerdings ist es anmaßend, ein Urteil nach einem einzigen Tag zu fällen.

 

Mittwoch, 10. April

Die Tage gehen zu schnell dahin. Zwei Seetage stehen noch bevor, mit anderen Worten 1165 Seemeilen trennen uns noch von Dubai/Vereinigte Arabische Emirate und dann wird für mich die Kreuzfahrt beendet sein. Die M/S Europa fährt weiter nach Malta – Nizza – Barcelona ... Möchte ich weiter an Bord bleiben oder freue ich mich auf mein Endziel Dubai? Ich glaube, nach so viel Erlebtem muss ich das alles erst mal verkraften. Was Dubai angeht, so gehen die Meinungen auseinander. Während mir ein paar Mitreisende geraten haben, mir nicht all zu viel von Dubai zu versprechen, haben mich andere beneidet, ein paar Tage dort zu verleben. Facit also, ich muss mir selbst ein Urteil bilden.

 

Heute nutze ich meinen schönen Balkon so richtig aus. Ich lese in meinem geliehenen Buch von Martin Walser und habe mir in der Bibliothek einen Reiseführer „Vereinigte Arabische Emirate“ ausgeliehen, um mich schon etwas mit Dubai vertraut zu machen. In der Clipper Lounge hält Vera Kaesemann, Heilpraktikerin und Homöopathin, einen Vortrag über „Schäfchen zählen – nein danke“. Sie spricht über das Phänomen „Schlaf“ und gibt interessante Tipps rund um die Themen Entspannung, Regeneration und gesunden Schlaf. Eigentlich kann ich sehr dankbar sein, auf dieser Reise ganz gut geschlafen zu haben, abgesehen von der Anreise und den Tagen in Hongkong.

 

Im Club Belvedere offeriert man zur Kaffeestunde frische Erdbeeren und Grand Marnier.

Nach dem Abendessen läuft am Lido Pool auf der Großleinwand der 1983 preisgekrönte Film „Gandhi“, die Lebensgeschichte des indischen Unabhängigkeitskämpfers. Die Impressionen des Indien-Aufenthalts kann man noch einmal Revue passieren lassen.

 

Donnerstag, 11. April

Aufbruchstimmung! Wenn ich etwas ungern tue, dann ist es Kofferpacken. Und das muss heute passieren. Mit viel Überlegung und Umsicht muss ich vorgehen. Erstens  muss ich genau überlegen, in welchen der beiden Koffer ich meine Garderobe für Dubai und den Rückflug packe. Zweitens ist heute Abend noch Farewell-Gala mit Kleiderempfehlung „festlich“ und drittens sind einige Stücke dazugekauft worden. Im Briefkasten liegt die Endabrechnung, die geprüft werden muss, bevor das ok zur Abbuchung erfolgen kann. Die dienstbaren Geister, die mir in den letzten Wochen das Bordleben angenehm gemacht haben, verdienen ein Trinkgeld und ich will auch den Fragebogen mit meiner Beurteilung über das Schiff, das Bordpersonal, Unterhaltungsprogramm, Ausflüge etc. ausfüllen. Also ganz schön stressig. Da tut eine Unterbrechung in Form eines delikaten Mittagessen sehr gut. Dieter Müller kocht im Lido Café und das Essen wird unter großen Sonnenschirmen auf der Terasse serviert. Wer dem Spitzenkoch zuhause Konkurrenz machen möchte, nimmt eines der von ihm vorbereiteten Rezepte mit. Ich werde zuhause mal sein Rezept „Seezungenfilet mit Melonen-Zwiebelkompott, Kartoffel-Ingwerpüree und Safran-Zitrussauce“ ausprobieren. Toi, toi, toi.

Am Abend findet im Anschluss an die Seekarten-Versteigerung ein sensationelles Unterhaltungsprogramm statt. Die Crew steht auf der Showbühne. Unentdeckte Showtalente gilt es zu bewundern, die sonst vielleicht Wein servieren oder das Schiff klar machen. Trotz aller Highlights darf nicht vergessen werden, dass das Schiff während der kommenden Abende und Nächte weitestgehend verdunkelt werden muss. Die Vorhänge in den Suiten sollen geschlossen werden und das Licht auf der Veranda keinesfalls eingeschaltet werden, im Zusammenhang mit dem Piratenschutz.

 

Noch einmal schlafen in dieser bequemen und geräumigen Kabine, wo ich mich rundherum wohlgefühlt habe.

 

Freitag, 12. April

Wie im Märchen aus 1001 Nacht erscheint mir Dubai, die Metropole der Superlative am Arabisch-Persischen Golf und zweitgrößtes Emirat. Der Abschied von meinem schwimmenden Hotel für 30 Tage und von mir in dieser Zeit vertraut gewordenen Mitreisenden wird von der Aussicht auf unvorstellbare Tage abgeschwächt. Ich nehme an einer Besichtigungs-Tour Dubai teil, das Gepäck reist schon mit und ein neuer letzter Abschnitt meiner faszinierenden Reise beginnt.

 

Erster Stopp ist an der Jumeirah Moschee, es wird fotografiert, man schaut sich um, alles ist weitläufig, neu, sauber. Auch diese Moschee sehe ich nur von außen. Dann geht es über breite Straßen, zu beiden Seiten noch niedrige Häuser, alles scheint menschenleer. Unser Stadtführer erklärt viel und ich sauge alles Neue interessiert auf. Wie kaum eine Stadt Asiens ist Dubai eine Autostadt. InDubai Stadt in Abgrenzung zum Emirat Dubai leben 85% des Emirats, ca. 2 Millionen Einwohner. Hier gibt es eine Vielzahl von Gastarbeitern aus anderen asiatischen Ländern, z.B. aus Malaysia, Indien und den Philippinen. Man verdient als Gastarbeiter gut, aber wohnen hier ist sehr teuer, so dass es viele Gemeinschaftsunterkünfte gibt.

Dubai Stadt liegt am Nordrand des Emirats Dubai und wird geteilt durch den Dubai Creek, einer 14 km langen Bucht des Persischen Golfs.

 

Näher zum Zentrum kommend sind links und rechts der Strasse gepflegte Rasenflächen und große Blumenbeete. Es gibt über 100 Wolkenkratzer, die über 150 Meter hoch sind, weitere sind höher als 300 m und das höchste Bauwerk der Welt ist 828 m hoch und heißt Burj Khalifa. Der Wolkenkratzer wurde als Dank für die finanzielle Unterstützung durch Sheikh Khalifa, Herrscher von Abu Dhabi und Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate von Burj Dubai auf seinen Namen umbenannt. Wir schlendern durch Bastakiya, ältestes Viertel der Stadt. Die winkligen engen Gassen mit allerlei Geschäften verleihen dem Viertel orientalischen Flair, der an Dubai früherer Tage erinnern soll.

 

Aus der Nähe sehen wir uns das Burj Al Arab Hotel an, das mit 320 m ein wahre Renomier-Objekt ist. Wie ein aufgeblähtes Segel erhebt sich der als „Sieben-Sterne-Hotel“ deklarierte Bau auf einer künstlichen Insel. Die zweistöckigen Suiten, ab            

170 qm, sind ab € 5,00/qm pro Nacht zu mieten, Preise, bei denen ein normaler Tourist ohnmächtig werden könnte.

 

Die Dubai Mall, 2008 eröffnet, ist das zweitgrößte Warenhaus der Welt. Ich bin beeindruckt von den riesigen Blumen-Kübeln, die mit Orchideen und anderen gleichwertigen Blumen bestückt sind. 1,200 Geschäfte ziehen die Kunden an und 120 Restaurants geben die Qual der Wahl. Über drei Stockwerke ist das Aquarium. Wir können durch ein Schaufenster von 32 m Breite und über 8 m Höhe auf eine ozeanblaue Welt von Meeres-Tiere blicken. 30.000 Meeresbewohner, darunter Rochen und Tigerhaie schnellen durch das Wasser, dazwischen riesige Fischschwärme.

Von der Dubai Mall aus ist der Aufgang zum Burj Khalif. Der Andrang ist sehr groß und wir müssen viel Geduld haben, bis wir zum Aufzug gelangen, der uns in rasanter Fahrt zur 124.Etage bringt. Dort ist die Aussichtsplattform „At the Top“ auf 442 m. Leider ist es nicht ganz klar heute, die Sicht ist nicht optimal, jedoch der Blick ringsum ist atemberaubend. Im Ganzen hat Burj Khalifa 160 Etagen mit 1000 Wohnungen und Büros, einem Einkaufszentrum und einem Hotel. Zu Füßen des Turms liegt der Dubai Lake. Der künstlich geschaffene See ist bekannt für seine von Musik und Lichtern begleiteten Wasserspiele sowie eine Wasserfontäne, die 150 m hoch schießt. Wir haben das große Glück, die Wasserspiele beim Vorbeigehen zu erleben, die ansonsten erst am Abend in Aktion treten.

 

Wir sind auf dem Weg zum Mittagessen und passieren einige großzügige Bauten, alles ist nobel und chick. Wir landen in einem orientalisch-europäischen Restaurant, wo wir an einer langen Tafel Platz nehmen. Der Raum, einer von diversen, hat eine enorme Höhe und eine angenehme kühle Temperatur, begünstigt durch Marmor- und Fliesenausstattung. Die Getränke-Wünsche werden erfüllt, auch Wein wird angeboten und man lädt uns ein, uns am wahrhaft schlaraffenartigen Buffet zu bedienen. Alles geht dezent und erholsam zu, eine Wohltat nach dem geschäftigen Treiben in der Mall und bei der hohen Temperatur draußen.

 

Im Anschluß daran werden die Teilnehmer je nach gebuchtem Hotel dort hin gefahren, wobei die Koffer jeweils im Bus oder Taxi mitfahren, für mich  eine erstaunlich gut funktioniere Logistik. Ich werde mit ein paar anderen Leuten in das für mich gebuchte Park Hyatt Hotel gefahren, das ist ein Fünf-Sterne-Luxus-Hotel am Dubai Creek. Es liegt in einem gepflegten Park neben dem Dubai Creek Golf und Yacht-Club und verfügt über eine entspannte Atmosphäre voller Eleganz. Ich bin entzückt und packe in meinem sehr großen Zimmer erst mal meinen „Dubai“-Koffer aus und bewundere vom einladenden Balkon aus den Blick aufs Meer, das sich etwas hinter den Palmen und prächtigen Bäumen versteckt.

Zum Abschluss des Tages mache ich einen kleinen Erkundungs-Rundgang im Hotel und bin bei meiner Rückkehr höchst erstaunt, ein kleines kaltes Abendessen vorzufinden.

 

Samstag 13. und Sonntag 14. April

Ein wunderschöner Tag begrüßt mich beim Aufziehen der schweren Übergardine. Ich überlege, was ich heute anfange. Die Dusche macht mich vollends wach. Im Frühstücksraum finde ich ein üppiges Angebot vor, die Auswahl fällt schwer, alles ist so appetitlich angerichtet. Die Bedienung ist dezent und unauffällig, und ich lasse mir Zeit, auch einen Blick in die Gulf News zu werfen.

 

Wenig später steige ich in ein Taxi und lasse mich zum Gold Souk chauffieren, wo unzählige Geschäfte mit millionenschweren Auslagen locken. Ringe und Colliers zu Preisen eines Kleinwagens liegen aus. Für mich ist diese Besuch hier wie in einem Museum, ich betrachte die Kostbarkeiten ohne den Wunsch und die Mittel zu haben, etwas zu kaufen. Die überladenen Schmuckstücke entsprechen ohnehin mehr dem Geschmack der Orientalen. Durch die Schaufenster hindurch beobachte ich, dass die Preziosen auf gewogen werden. Das 18- und 22-karätige Gold wird nach Gewicht verkauft.

 

Draußen ist es schon recht heiß, und ich laufe zunächst etwas ziellos herum, bis ich in der Ferne eine Ansammlung von Busses sehe; das muss ein Bus-Bahnhof sein. Ich gehe dorthin und erfahre, dass man nur mit einem am Automaten gelöste Mehrfahrten-Karte einen Bus besteigen darf. Ein freundlicher Fahrgast hilft mir beim Lösen einer Karte. Meine Absicht ist, eine längere Stadtrundfahrt zu unternehmen, während der ich in Ruhe und im klimatisierten Bus viel von Dubai sehen kann. Ich wähle einen Sitzplatz gleich hinter dem Fahrer. Während dieser wirklich interessanten und abwechslungsreichen Fahrt sprechen mich hintereinander zwei junge Frauen an und erkundigen sich nach meiner Herkunft und nach meinem Vorhaben. Beide Frauen sind Gastarbeiterinnen, die erste aus Malaysia und später die zweite von den Philippinen. Sie erzählen mir munter über ihre Arbeit hier und dass sie gutes Geld für eine begrenzte Zeit verdienen wollen. So erfahre ich manches. An der Dubai Mall steige ich mit der letzteren jungen Frau aus, die dort als Verkäuferin arbeitet. „Schade, dass ich mit Ihnen den Tag nicht verbringen kann“ sagte sie zum Schluss und verschwand in der Menge.

 

Die Dubai Mall ist eine große Attraktion für mich. Nicht weil es hier günstige Angebote gibt, sondern die Vielfalt und Eleganz begeistern mich. In allen Geschäften, die man zwanglos besichtigen kann, wird man freundlich begrüßt und beraten. Schuhe und erst recht in einem solch unvorstellbaren Angebot aller exquisiten Marken ziehen mich an. Auch wenn ich mit meinen braven Füßen, die mich immer klaglos auf hohen oder flachen Absätzen – je nach Gelegenheit – getragen haben, nun langsam etwas nachsichtiger verfahren muss, so kann ich es mir nicht verkneifen, das riesige Designer-Sortiment zu durchforsten. Ich schwelge im Angebot und bedauere, dass meine Schwägerin Gabi aus Berlin nicht dabei ist, mit der ich bei jedem Zusammentreffen gemeinsam Schuhe kaufe.

Wie man sich vorstellen kann, verbrachte ich viele Stunden in der Mall, unterbrochen von einer kleinen Mittagspause in einem französischen Bistro.

 

Mit dem Bus fahre ich zu einer Metro-Station, um dieses Verkehrsmittel kennen zu lernen. Ich bewundere die saubere, großzügige Station und lasse mich von der dortigen Auskunft hinsichtlich der meinem Hotel am nächsten liegende Station beraten. Mit einem Aufzug fahre ich zwei Stockwerke tiefer und stelle plötzlich fest, dass ich meine neu erworbenen Schuhe bei der Auskunft vergaß. Hocherfreut finde ich die Tüte dort wieder. Die Metro hat etwa 80 km Netzlänge und verfügt über das größte vollautomatisierte Metro-System der Welt. Von Gleisen ist nichts zu sehen, weil sie hinter einer Glaswand verborgen sind, deren Türen sich öffnen, sobald ein Zug eingelaufen ist. Die Vorstellung, dass die Züge ohne Fahrer verkehren, ist für mich neu.

 

Im Hotel angekommen, brauche ich etwas Entspannung und Abkühlung und gehe in den gepflegten Garten mit Palmen, Blumen und einladendem Pool, der ringsum mit Liegestühlen umstellt ist. Die Gartenanlage dehnt sich in Richtung Uferpromenade des Creek aus. Der natürliche Meeresarm zieht sich kilometerweit ins Herz der Stadt.

In diesem Hotel könnte ich es eine Woche aushalten, so ruhig, gediegen und selbstverständlich kommt mir hier alles vor. Aber, wie so oft auf meiner facetten-reichen Reise überkommt mich eine Wehmut. Ich bin allein. Nicht etwa, dass ich hilflos wäre, aber mir fehlt die Vertrautheit mit Horst. In solchen Momenten erinnert mich eine Eingebung daran, dankbar zu sein und weiterzumachen.

Es gibt noch tausend Dinge, die ich hier am Ende eines großartigen Urlaubs machen kann. Jedoch beschließe ich, mich treiben zu lassen. Auch hier gilt für mich, dass weniger mehr ist und dass ich aus der Fülle aller bisherigen Unternehmungen schöpfen kann. Ich lese etwas oder schaue ganz einfach von der Holzterasse am Creek in der Nähe der „abra“-Anlegestelle auf die vorbei fahrenden Fährboote, die von einem zum anderen Ufer wechseln. Am Creek ankern auch romantische Dhaus, das sind arabische Segelschiffe,  die zu schwimmenden Restaurants umgebaut wurden.

 

Ich erinnere mich an Unterhaltungen auf dem M/S Europa über die Emirate und n stimme denjenigen zu, die mir Dubai als phantastisch und märchenhaft schilderten. Es ist eine andere Welt, luxeriös, vielleicht sogar dekadent, aber ein Traum. Träume kann man nicht festhalten, man kann sich gern daran erinnern und sie vielleicht noch schöner in Erinnerung behalten als sie wirklich waren.

 

Montag, 15. April

Ein letztes fürstliches Frühstück in Dubai. Mein Gepäck steht für die Abreise bereit. Ich mache noch einen kleinen Rundgang im Hotel-Revier und warte in der Halle auf den Agenten, der mich zum Flughafen fahren wird, der nur wenige Kilometer entfernt liegt. Das Einchecken bei Emerites Airways dauert nicht lange und schon bald startet die Maschine zum angenehmen 6-stündigem Flug nach Düsseldorf. Das Mittagessen wählt man von der Speisekarte aus, wobei ein Glas Wein nicht fehlt. Eine kurzweilige Unterhaltung mit einem Indien-Tourist lässt die Zeit schnell vergehen und pünktlich setzt die Maschine zur Landung an.

 

35 Tage war ich unterwegs, und ich werde noch lange an diese Zeit zurückdenken. Ich bin glücklich und dankbar, dass ich die Reise gesund und munter überstanden habe. Meine Zweifel zu Beginn waren verständlich, aber ich bin froh, dass ich mich darüber hinweggesetzt habe. Gott sei Dank, so sage ich aus vollem Herzen.

 

 

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