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Veröffentlicht am Donnerstag, 18. Oktober 2018

Verhaftung in Granada

Verhaftung in Granada

Interview mit dem Kölner Menschenrechtler und Schriftsteller Dogan Akhanli [1] am 16.10.2018 im Kölner Stadtgarten zum Thema seiner Verhaftung in Granada am 19.08. 2017 durch den langen Arm der Türkei.

K.S.

Kiwi hat Ihr Buch „Verhaftung in Granada oder treibt die Türkei in die Diktatur“ [2], verlegt. Wie ist die Resonanz darauf?

D.A.

Ja, es gibt sehr viel positive Resonanz, es gibt viele Besprechungen in der Presse, und ich mache seit einem Jahr Lesungen und Vorträge, ich bin ständig unterwegs. Und das ist vielleicht zu viel geworden, was ich unterschätzt habe, so dass ich manchmal überlege, was ich erzählen soll, um nicht überall so viel Persönliches von mir preiszugeben. Das ist auf der einen Seite vielleicht gut, auf der anderen Seite natürlich auch eine große Verantwortung, da ich das Gefühl habe, dass es mich langsam belastet.

K.S.

Jetzt haben Sie mir fast meine zweite Frage vorweggenommen, die da lautet: "Wie hat sich Ihr Leben als KiWi Autor, seitdem Ihr Buch im Verkauf ist, verändert?

D.A.

Natürlich war das ein blöder Angriff gegen mich aus der Türkei. Sie wollten mich kaputtschlagen oder mich zum Schweigen bringen. Die Wirkung war dann umgekehrt. Sie haben mein Recht oder mein Wort größer gemacht, als es früher war. Früher habe ich im kleinen Rahmen gesprochen mit kleinem Publikum. Meine Bücher in deutscher Sprache hatten sich auch nicht besonders gut verkauft, und jetzt wurde mein Buch „Die Richter des jüngsten Gerichts“ [3] über den Genozid über 5000-mal verkauft. Autor vom KiWi Verlag zu sein und die öffentliche Aufmerksamkeit haben mich als Schriftsteller natürlich etwas populärer, also bekannter, gemacht, und darüber hinaus habe ich viele neue Leser gewonnen, durch die Verfolgung. Wenn diese Verfolgung und die Angriffe nicht da gewesen wären, vielleicht wäre ich heute weiterhin ein unbekannter Autor, der sich nur mit der Gewalt und der Geschichte der Türkei beschäftigt hätte. Jetzt rede ich nicht mehr über die Gewalt, also historische und aktuelle Gewalt der Türkei, sondern ich rede über den Rassismus und Nationalismus in Europa. Ich denke, die Ereignisse haben mich als Schriftsteller und auch als politischen Aktivisten etwas größer gemacht, als ich früher war. Und natürlich ist meine Verantwortung dadurch auch etwas größer geworden, als sie es früher war.

K.S.

Am 24.07 2013 machten wir ein Interview zum Thema Menschenrechte und Türkei. Heute ist Frau Tolu [4] zu ihrem Prozess in die Türkei gereist, wo sie wegen Unterstützung von Terrorismus angeklagt ist. Wie sehen die Aussichten bei uns und in der Türkei aus, dass sich die Menschen mit zwei Herzen in der Brust sicher und beschützt fühlen können? Die Frage ist, dass Frau Tolu ja auch deutsche Staatsbürgerin ist und auch die zwei Herzen in ihrer Brust hat mit ihren türkischen Wurzeln. Sie sagt: "ich stelle mich diesem Prozess." Sie hätte auch hier bleiben können. Auf der anderen Seite haben wir gerade hier in Köln die Einweihung der Zentralmoschee mit Herrn Erdogan und der kompletten Ausgrenzung der deutschen Kölner Bevölkerung erlebt.

D.A.

Genau.

K.S.

Also die Ditib [5] sagt:"Wir haben hier in Köln einen tollen Platz mit einer schönen Moschee, die wir auch selbst finanziert haben, aber eigentlich haben wir mit der Stadtgesellschaft und den deutschen Bürgern nichts am Hut. Wir sind ein türkischer Satellit im Kölner Orbit." Darauf zielt meine Frage ab. Wie sehen die Aussichten bei uns und in der Türkei aus für Menschen, die diese zwei Herzen in der Brust haben; denn Sie sind ja einer von denen? Sie sind schon länger deutscher Staatsbürger und sagten mir in einem Vorgespräch „Ich fühle mich hier angekommen.“ 2013 hatten Sie mir noch in einem Interview gesagt: "Ich fühle mich immer noch als Exilant, also immer noch so, als würde ich im Exil in Deutschland leben. Wie ist das also für die Menschen mit diesen zwei Herzen in der Brust? Ist das eine blöde Frage?

D.A.

Nein, das ist keine blöde Frage, aber eine Antwort darauf zu geben ist auch nicht einfach. Zum Beispiel die Haltung von Mesale Tolu , die sagt, ich gehe zum Gericht, wenn es auch gefährlich ist. Und ich kann sie sehr gut verstehen. Also wenn ich in mein Archiv schaue und rückblickend bewerten kann, dann fällt mir ein Interview mit Jürgen Gottschlicht von der Taz in Istanbul ein, in dem ich gesagt habe: „Ich komme zum Gericht, weil der Prozess weitergeht.“ Das haben die deutsche Botschaft und alle meine Freunde ungeheuer gefunden. Die Reaktionen darauf war: "Wie kann man so dumm sein! Er ist gerade frei gekommen und nach Deutschland gegangen, und dann will er sich wieder in Gefahr bringen."

Ich glaube zunächst mal, dass der Prozess gegen Mesale Tolu ein willkürlicher Prozess ist. Sie hat als Journalistin gearbeitet, sie hatte mit Terrorismus nie etwas zu tun gehabt, und trotzdem will man sie als Terroristin lebenslang ins Gefängnis schicken, obwohl es keine Hinweise gibt und auch keine Beweise dafür. Also juristisch gesehen dürfte so eine Anklage nicht existieren. Und sie hat möglicherweise das Gefühl, dafür sollte man als Menschenrechtlerin und als Journalistin (also ich war da auch so der Meinung) die türkische Staatsmacht herausfordern. Nach dem Motto: Wenn ihr so einen Unrechtsprozess weiterführt, ich bin da! Und auf der anderen Seite unterschätzen wir natürlich auch diese Staatsmacht.

Wir sind Individuen, und da ist ein kalter riesiger Apparat. Das hat mit dem Gefühl der fehlenden Rechtsstaatlichkeit und Justiz zu tun. Denn es kann dort leicht geschehen, dass du lebenslang im Gefängnis landest, obwohl es keinen plausiblen Grund dafür gibt. Bei einem Schriftsteller in der Türkei haben wir das genauso erlebt. Ahmet Altan [6] ist Bestsellerautor, einer der angesehensten Romanciers und Journalist. Weil er Demokrat war und damals gegen das Militär agierte und gegen Erdogan gekämpft hat, haben sie ihn wirklich ohne einen einzigen Beweis zu lebenslanger Haft verurteilt.

Wir sind sozusagen manchmal heldenhaft, weil wir die türkische Staatsmacht herausfordern, und auf der anderen Seite ist das natürlich keine gute Idee. Also ich würde zum Beispiel Mesale Tolu abraten, zum Prozess zu gehen, obwohl ich vor sieben Jahren genauso wie sie meine Haltung verteidigt habe und wer weiß wie genervt war.
Die Angst, welche wir als Menschenrechtler erleben, hält uns nicht davon ab, zu sagen: "Ok, dann beweist mir meine terroristischen Aktivitäten, verdammt noch mal. Ihr sagt, ich sei ein Mörder. Dann beweist es doch, ich bin hier!" Man will auf der einen Seite sozusagen nicht zurückrudern aus Angst, lebenslang im Gefängnis zu landen, und auf der anderen Seite muss auch Mesale Tolu darüber nachdenken, ob sie es verkraften kann, wenn alles schief geht und ihr Kind ohne Mutter draußen lebt. Du musst in dieser Situation entscheiden, ob für dich die politische Verantwortung wichtiger ist als deine individuelle. Ich habe mich meistens für die politische Verantwortung entschieden, und das hat mich viel gekostet. Am Ende kostete es auch für meine Kinder und so weiter... Weil ich hier nicht über mich rede, sondern über eine andere Person, würde ich natürlich Mesale Tolu nicht empfehlen, zu ihrem Prozess zu gehen.

Das Exilgefühl war auch ein starkes Gefühl und ein Prozess. Ich war im Exil, weil ich wieder angegriffen wurde nach dieser Gefangenschaft, und ich fühlte mich schlecht und abgelehnt, obwohl ich eine so starke emotionale Beziehung zu diesem Land habe. Und irgendwie war ich damals, 2013, als wir das erste Interview gemacht haben, in einer Phase mit der ständigen Frage, ob es überhaupt für mich noch Sinn macht, mich mit dem Land Türkei weiter zu beschäftigen. Also sah ich in dieser Zeit genug Probleme, wenn es um Menschenrechte ging. Ich müsste mich eigentlich nicht weiter mit diesem Land beschäftigen, denn ich wurde dort mehrmals verletzt und so weiter und sofort. Vielleicht wäre es für mich besser als Person, dass ich sagen würde: „Jetzt ist mir das Land Türkei egal.“

K.S.

Aber es geht nicht?

D.A.

Nein das geht nicht. Die gefühlsmäßige Abkopplung funktioniert nicht. Wir sind doch keine Roboter, wir sind ja Menschen.

Und das Land besteht nicht nur aus willkürlichen Despoten. Im Gegenteil: Das Land ist vielfältig mit so vielen lieben Menschen, und da sind auch die guten Erinnerungen. Manchmal unterschätzen wir ungläubig, wie wichtig die Erinnerungen für die Gegenwart sind. Ja, meine Erinnerungen zeigen mir, dass ich eine Welt verloren habe. Dort sind die Plätze, wo ich meine Kindheit, meine Eltern und meine Geschwister verloren habe. Deshalb will ich für diese Welt kämpfen, die auch einmal schön war und es verdient, wiederhergestellt zu werden. 

Auf der anderen Seite bin ich hier nicht ganz in Sicherheit, weil es bestimmte Gruppen gibt, die mich eingestuft haben und dieses Land nicht mit mir teilen wollen. Ich bin ja zufällig in Deutschland angekommen. Ich bin offiziell deutscher Staatsbürger, aber nach ihrer Perspektive kann ich niemals ein Deutscher sein. Und sie haben auch Gewaltfantasien und eine Gesellschaftsfantasie, in der sie nur mit bestimmten Leute zusammen leben wollen. Die anderen sollen ausgrenzt oder sogar ausgelöscht werden, wenn es ihnen nötig erscheint. So, wie es frühere Generationen in Deutschland schon einmal erlebt haben. Aus diesem Grund stellt sich für mich ein Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit nicht ein. 

K.S.

Welche Rolle nehmen für Sie die sogenannten Sozialen Medien ein? Nutzen Sie Twitter, Facebook, Instagram oder YouTube, um als Schriftsteller von einem breiteren Publikum wahrgenommen zu werden?

D.A.

Nach meiner Gefangenschaft kam ich nach Deutschland zurück, und dann schreibt eine Freundin mir, dass sie für mich eine Facebook Seite gemacht hat und schickt mir den Zugangscode.

K.S.

Ohne dass Sie zuvor gefragt wurden, ob Sie das wollen?

D.A.

Ja, so war das, und die Seite war einfach da, ohne dass ich es geplant hatte. Damals war der Facebook-Diskurs nicht so weit wie jetzt. Ich hatte es auch als etwas Harmloses betrachtet. Der Witz war, dass ich in kurzer Zeit 5000 Freunde bekam, von denen ich keinen kannte. Ich dachte für die Öffentlichkeitsarbeit, und um das neue Buch und die Lesung bekannt zu machen, könnte das ja nützlich sein. Wie das alles auf Facebook funktioniert, hat mich nie interessiert, und da mache ich auch nicht mit. Das Einzige, was ich mache, ist, dass ich einen Link zu einer Veranstaltung oder Lesung einstelle. Da ich dort sonst nichts schreibe, bringt das aber nichts, so hat man mir das erklärt. 

Twitter, Instagram oder YouTube nutze ich nicht.

K.S.

Gib es ein neues Buchprojekt, an dem Sie arbeiten?

D.A.

Ja ich will im Grunde nach einem Jahr als öffentliche Person, welche ständig redet und Lesungen abhält, zu einem ritualisierten Leben zurückzukehren. Morgens aufstehen, Kaffee trinken, deutsche Zeitungen lesen und mich dann hinsetzen, um mich mit Fiktion zu beschäftigen, die in Beziehung zur Realität steht. Ich will einen Roman schreiben. Da ist eine Trilogie in Arbeit, wovon zwei Teile schon vor der Verhaftung in Spanien geschrieben waren. Jetzt wartet der dritte Teil darauf, geschrieben zu werden. Es wäre schön, in sechs, sieben Monaten in einem bescheidenen Leben zu schreiben und mich umzuschauen. Das ist mir ein sehr starkes Bedürfnis.    

K.S.

Was wünschen Sie sich in der Zukunft für unsere Gesellschaft?

D.A.

Wir leben in einem Kontinent, welchen wir Europa nennen. Wenn in diesem Kontinent bestimmte Dinge schief gehen, dann bleibt es nicht bei der Kontinentfrage, sondern es stellt sich eine Weltfrage. Was Europa trotz seiner Kolonialgeschichte, trotz der Gewaltgeschichte nach dem zweiten Weltkrieg geschafft hat, ist eine lange Zeit ohne Krieg, abgesehen von dem im ehemaligen Jugoslawien. Das kommt mir sehr wertvoll vor. Jetzt wünsche ich mir, dass diese nationalistische Welle in Europa wieder verschwindet. Im Moment erscheint es mir sehr wichtig, dass man den wachsenden Nationalismus in Europa möglichst weit zurückdrängen kann.

K.S.

Herr Ahkanli, vielen Dank für Ihre Antworten und dass Sie sich so viel Zeit dafür genommen haben.
Ich wünsche Ihnen, dass Ihre Wünsche in Erfüllung gehen, und bleiben Sie gesund.

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Kommentare (1)Anzahl der Ansichten (281)

Autor: k.schampaul

Kategorien: Inland, Ausland, Interview, Flucht und Einwanderung, Europa

TAGs: Dogan Akhanli

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Ich bin Jahrgang 1949 lebe und arbeite in Köln Porz am Rhein.

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1 Kommentare zum Artikel "Verhaftung in Granada"

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Christian Fischer

25.10.2018 11:49

Ein schönes Interview, menschlich ehrlich und politisch nachdenklich stimmend. Was soll man tun, wenn man zwischen größeren Machtblöcken hängt, aber trotzdem noch in den Spiegel schauen will?

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