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Bin über die Studie "Nutzen statt Besitzen" Im Auftrag und herausgegeben von der Heinrich-Böll-Stiftung gestolpert.

Auf 108 Seiten findet die interessiret Leserin und der interessierte Leser einen sehr guten Überblick über das spannende Thema möglichen gemeinschaftlichen Konsums. Das Vorwort wird Ihnen zeigen was Sie in der Studie im Anhang finden werden. 

 

Vorwort

Es gibt einen neuen Trend, der nicht nur in Deutschland, sondern weltweit Einzug
hält: «Collaborative Consumption» oder gemeinschaftlicher Konsum heißt er und
umfasst so unterschiedliche Praktiken wie Wohnungstausch, Kleidertauschparties,
Autogemeinschaften, Gemeinschaftsgärten, Tauschringe für Werkzeuge, Drucker
oder DVDs und vieles andere mehr.

Das Internet macht’s möglich: Tauschplattformen wie «Netcycler» (für Dinge),
9flats (für Wohnungen) oder «Nachbarschaftsauto» (für private Autos) ermöglichen
es, schnell und unkompliziert denjenigen zu finden, der (oder die) das hat, was ich
brauche.

Mit der Verbreitung digitaler Leih-, Miet- und Tauschmodelle entstehen
neue Geschäftsformen, die sich auf einer neuen «Währung» gründen: Vertrauen.
Vertrauen, dass der andere meine Dinge gut behandelt und mich nicht hinters Licht
führt, obwohl ich den anderen noch nie gesehen habe. Und so sprießen weltweit Startups und private Initiativen aus dem Boden, welche diejenigen zusammenführen, die gleiche Interessen haben: die leihen, tauschen, teilen oder schenken wollen.

Das Time Magazin hat diese neue Konsumform sogar zu einer der zehn großen Ideen erkoren, die die Welt verändern werden.

Gemeinschaftliche Nutzungsformen sind nicht neu: Wohngemeinschaften,
Bibliotheken, Waschsalons, Mehrwegflaschen, landwirtschaftliche Genossenschaften
– alle beruhen auf der Idee, Ressourcen gemeinsam zu nutzen. Schon seit den
1970er Jahren macht sich die Ökologiebewegung unter dem Stichwort «Nutzen statt
Besitzen» für diese Konsumformen stark. Denn wenn Dinge gemeinsam genutzt und
weiterverwendet werden, kann dadurch der Ressourcenverbrauch wesentlich gesenkt
werden. Nehmen wir das Beispiel einer privaten Bohrmaschine: Diese wird durchschnittlich nur 45 Stunden im Laufe ihres Lebens genutzt. Ohne Probleme kann das Gerät aber über 300 Stunden eingesetzt werden. Das würde sechs weitere Maschinen problemlos ersetzen. Doch bisher gelang diesen Nutzungsformen nicht der Durchbruch.

Carsharing, Second-Hand-Läden und Verleiher führten bis vor kurzem ein
Nischendasein. Die Umständlichkeit des Leihens und Tauschens sowie die Flut der
Billigprodukte erschwerten eine breite Kultur des «Nutzen statt Besitzen».
Das beginnt sich zu ändern. Die Heinrich-Böll-Stiftung und der NABU sehen im
gegenwärtigen Trend zum gemeinschaftlichen Konsum eine große Chance, um diesem
Konzept zum Durchbruch zu verhelfen. Dabei spielt eben das Internet als Vermittlungsinstanz eine zentrale Rolle.

Weite Bereiche des Netzes sind auf dem Prinzip des Teilens von Informationen, Texten oder Musik aufgebaut – sei es in kommerzieller oder nichtkommerzieller Form. Damit erfahren Menschen ganz praktisch, dass man kein exklusives Eigentum an Dingen haben muss, um ihre Vorteile nutzen zu können.
Auch bieten digitale wie reale Tauschbörsen einen sozialen Mehrwert. Sie sind eine
Kommunikationsplattform, um miteinander in Kontakt zu treten und sich gegenseitig
Tipps zu geben.
Aus unserer Sicht birgt eine gemeinschaftliche Konsumkultur das Potenzial, den
Ressourcenverbrauch eines jeden Einzelnen zu senken und gleichzeitig die Lebensqualität zu halten oder sogar zu erhöhen. Weil Weltbevölkerung und Wirtschaft weiter wachsen und der technische Fortschritt immer neue Bedürfnisse weckt, steigen auch Warenkonsum und Rohstoffverbrauch. Damit steigt auch der Druck auf die Ökosysteme weiter an: Die Jagd nach Rohstoffen wird bis in den letzten Winkel der Erde
und der Meere getrieben, die Verschmutzung von Böden, Wasser und Luft nimmt zu.

Dagegen gibt es vor allem zwei große Strategien: Erstens eine Effizienzrevolution, die
den Ressourcenverbrauch durch innovative Produktionsprozesse, Technologien und
Produkte senkt; zweitens eine Veränderung der Konsumkultur in Richtung gemeinschaftlichen Konsums und «geteilten Nutzens». Darin steckt ein erhebliches Potenzial für die Reduzierung der Gütermenge, ohne unseren Lebensstandard zu senken – wir können ja nach wie vor auf die gemeinschaftlich genutzten Güter zurückgreifen, auch ohne ihr alleiniger Eigentümer zu sein. Gleichzeitig kann man die Unternehmen besser in die Verantwortung für die Wiederverwertung von Produkten nehmen, wenn diese nicht mehr verkauft werden, sondern nur in die zeitweise Nutzung des Kunden übergehen, bevor sie wieder von den Herstellern übernommen werden.

Deshalb haben wir das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie mit der
vorliegenden Studie beauftragt. Anhand der drei Beispiele Kleidertausch, Werkzeugverleih und Chemieleasing geht die Studie der Frage nach, welche Potenziale zur Reduktion des Ressourcenverbrauchs im Konzept «Nutzen statt Besitzen» enthaltensind.

In einem weiteren Teil wird untersucht, wie diese Formen des «Nutzen statt
Besitzen» kommuniziert werden müssen, um sie möglichst bekannt zu machen und
Menschen für eine Veränderung ihres Konsumstils zu motivieren. Abschließend
wollen wir mit einem ganzen Bündel von Handlungsempfehlungen zeigen, wie alte
und neue Pioniere des Teilens, Nutzen und Tauschens unterstützt werden können.
Wir hoffen, mit der vorliegen Studie einen Anstoß zu geben, damit «Nutzen statt
Besitzen» -Modelle ihr Nischendasein verlassen und zu einer nachhaltigen Produktions-
und Konsumweise beitragen können.

Berlin, im Oktober 2012
Ralf Fücks Olaf Tschimpke
Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung NABU-Präsident
Dorothee Landgrebe Indra Enterlein
Referentin für Ökologie und Nachhaltigkeit Referentin für Umweltpolitik
Heinrich-Böll-Stiftung NABU

Nutzen statt Besitzen Auf dem Weg zu einer ressourcenschonenden Konsumkultur 

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Ich bin Jahrgang 1949 lebe und arbeite in Köln Porz am Rhein.

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