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Anlässlich des Gerichtstermins in Istanbul, am Freitag den 04.10.2013

Köln, 4.10.2013 Freiheit vom Prozess

Nach der Aufhebung meines Freispruchs durch den Kassationshof in Ankara hat das
Verfahren gegen mich unkorrigierbar einen Kafkaesken Charakter bekommen.
Derselbe Kassationshof, der hinter der Ermordung Hrant Dinks keine Organisation gefunden
hat, unterstellt mir erneut, ich sei unter dem Decknamen "DOĞAN K." der Kopf einer
terroristischen Organisation gewesen, und erwartet von mir, ich solle meine "Hinrichtung"
auch noch mit den Anklägern gemeinsam inszenieren.

Als Literat kenne ich die erschreckende Anpassungsfähigkeit und das tragische Ende von
Josef K., des Protagonisten von Kafkas Roman "Der Prozess". Deshalb bin ich schon am
8.12.2010, dem ersten Prozesstag gegen mich, mit meinem Schweigen und geschützt von
der öffentlichen Solidarität dem Kafkaesken Raum entflohen, den die türkische Justiz für
mich gemauert hatte.

Nun will das Gericht mich mit aller Macht zurück in diesen Raum zerren. Ich stemme mich
dagegen, ich werde nicht zurückkehren. Der türkischen Justiz gilt auch künftig mein
Schweigen. Ich bin nicht Kafkas Romanfigur, die sich am Ende ihres "Prozesses" mit einem
Fleischermesser "freiwillig" hinrichten ließ und doch von jedem Leser wieder neu zum Leben
erweckt wird. Ich habe im Unterschied zu einer Romanfigur nur ein einziges Leben. Und ich
will dieses Leben nicht in einer kafkaesken Farce verbringen.

Ich steige aus. Ich werde vor der türkischen Justiz nicht mehr erscheinen, nicht freiwillig,
nicht erzwungen. Ich nehme mir damit die Freiheit, die sie mir verweigern will. Ich werde frei
sein, aus eigenem Willen.

Ich tue das auch deshalb, weil "mein" Prozess menschenrechtlich und politisch betrachtet
ein Teil der zahlreichen ungerechten Prozesse ist, die in der Türkei mit lärmender Willkür
und Arroganz eröffnet, durchgeführt und beendet werden. Ich weiß mich mit meiner
Entscheidung, mich diesem Verfahren zu verweigern, an der Seite derer, die jeweils auf ihre
Weise der hoffnungslos unrechtsstaatlichen türkischen Justiz die Stirn bieten.
Doğan Akhanlı
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Ich bin Jahrgang 1949 lebe und arbeite in Köln Porz am Rhein.

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