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Von Juba im Südsudan nach Köln am Rhein

Von Juba im Südsudan nach Köln am Rhein

Der weite Weg der Frau Emmanuela Lado.

Autor: k.schampaul/Mittwoch, 12. Februar 2014/Kategorien: Interview, Flucht und Einwanderung

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Der weite Weg der Frau Emmanuela Lado von Juba im Südsudan nach Köln am Rhein.

Frau Emmanuela Lado aus dem Südsudan bekam vom Deutschen Akademischen Austausch Dienst (DAAD) ein Stipendium, weil sie als Fachfrau aus einem Entwicklungsland kommt und dort zuvor den Bachelor-Studiengang in Versorgungs- und Umwelttechnik absolviert hatte. Der DAAD ist eine Einrichtung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

Seit Mai 2013 lernt Frau Emmanuela Lado intensiv Deutsch und studiert parallel an der Fachhochschule Köln im Master-Studiengang „Technology and Resources Management in the Tropics and Subtropics“ (ITT).

Als ich Frau Lado im August 2013 das erste Mal traf, war ich von ihren deutschen Sprachkenntnissen angenehm überrascht. Als ich dann von ihr erfuhr, dass sie gerade mal drei Monate in Deutschland lebte und lernte, war ich so fasziniert von ihr, dass ich mir vornahm, sie eines Tages zu fragen, ob sie bereit sei, mir ein Interview für aprioripost.de zu geben.

Interview mit Frau Lado, geführt in Deutsch und Englisch, aufgezeichnet am 09.02.2014 in Euskirchen.

K.S.

Frau Lado, vielen Dank, dass Sie sich Zeit für das Interview genommen haben. Ich habe ein paar Fragen vorbereitet. Sie können zu jeder Zeit sagen: "Ich möchte diese Frage nicht beantworten“, und wir gehen dann einfach weiter zur nächsten Frage.

E.L.

Einverstanden.

K.S.

Wann und wie ist Ihnen aufgefallen, dass Sie schneller lernen können als Ihre Mitschüler?

E.L.

In der Grundschule ging es sehr einfach für mich. Dann im Studium habe ich zuerst in Arabisch begonnen und dann mit Englisch weiter studiert. Als ich dann nach Deutschland kam, traf ich auf andere Studenten, die schon in ihren Heimatländern ein bisschen Deutsch gelernt hatten, im Gegensatz zu mir. Es war dann so, dass ich das Gefühl hatte:  „Das ist kein Problem, ich kann das sehr schnell aufholen, was die andern schon können“, und so war das dann auch.

K.S.

Was war Ihre Motivation, nach Deutschland zu kommen und nicht in ein anderes Land zu gehen?

E.L.

Ich habe einen Onkel, der schon länger in Deutschland lebt. Von ihm bekam ich sehr viele Informationen, besonders über das Bildungswesen, so dass ich dachte: „Es ist gut, in Deutschland zu studieren und nicht in einem anderen Land.“ Außerdem war es für mich wichtig, dass ich in Deutschland mit meiner Familie unterstützt werde, was in andern Ländern nicht der Fall gewesen wäre. Deshalb ist jetzt Deutschland der beste Platz für mich.

K.S.

Was war in Ihrer Erinnerung das erste Gefühl, das Sie hatten, als Sie in Deutschland angekommen sind?

E.L.

(Frau L. lacht)

Ich war so glücklich, als ich in Frankfurt am Flughafen ankam, obwohl ich wusste, dass keiner da war, der auf mich gewartet hatte. Ich habe dann Leute auf Englisch nach dem Weg gefragt. Einige haben gar nicht geantwortet; andere haben dann schnell gesagt: "Ich weiß es nicht!“ Da ich das "ich weiß es nicht" noch nicht verstand, ging es mir nicht gut mit diesen Antworten. Mir wurde allerdings dabei schlagartig klar: „Du musst die Sprache kennen, bevor du in einem neuen Land ankommst, wenigstens ein paar Worte.“

K.S.

Jetzt leben Sie hier in Euskirchen und studieren in Köln. Wie ist das für Sie mir dem hin und herfahren?

E.L.

Es ist nicht einfach; denn es braucht sehr viel Zeit, um hin und her zu fahren. Auf der anderen Seite ist Euskirchen eine kleine Stadt, in der die Menschen sehr freundlich zu mir sind und meine Familie willkommen ist. Ich denke, es ist einfacher für uns als in der Großstadt Köln, wo jeder sehr individuell drauf zu sein scheint.

K.L.

Was war der Grund dafür, diesen sehr anspruchsvollen Studiengang „Technology and Resources Management in the Tropics and Subtropics“ auszuwählen?

E.L.

Der Grund ist der, dass Südsudan große Mengen an Ressourcen hat, die nicht wirklich gemanagt werden. Ich möchte das, was ich jetzt im Studium lerne, zurück in den Südsudan bringen und dort anderen mein Wissen weiter geben. http://de.wikipedia.org/wiki/Südsudan

K.S.

Was macht Ihnen Angst im Moment?

E.L.

Meine Familie ist jetzt seit einer Woche hier in Deutschland, und ich habe große Sorge, dass ich das alles nicht auf einmal schaffe, was ich mir vorgenommen habe, Familie und Studium unter einen Hut zu bekommen.

K.S.

Was würde Sie glücklich machen, wenn Sie zurück gehen in den Südsudan?

E.L.

Ich hoffe, ich habe, wenn ich zurück gehe, all meine Zertifikate, die ich machen möchte, und kann dann dort meinen Leuten sagen: „Es ist nicht einfach, in einem Land wie Deutschland zu studieren, aber du kannst es schaffen, wenn du es willst.“ Ich denke, nur mit guter Bildung hat die junge Generation im Südsudan die Möglichkeit, ihr Land zu entwickeln.

K.S.

Die letzte Frage ist: „Was sind Ihre Wünsche für die Zukunft, kurzfristig und langfristig?“

E.L.

Kurzfristig wünsche ich mir, dass meine Kinder in die Schule gehen können und integriert werden in ihrem neuen Umfeld. Das wünsche ich mir auch für meinen Mann, der zur Zeit sehr stark friert, denn er kommt gerade aus dem Südsudan, wo sommerliche Temperaturen von 38° Grad herrschen. Es ist für uns ein riesiges Abenteuer, hier zu sein, ohne zu wissen, was und wie es weiter geht. Wichtig ist, dass die Kinder die Sprache lernen. Dann ist es leichter für sie, Kontakt zu andern Kindern zu finden. In der Zukunft wollen wir alle zurück gehen mit unserem Wissen, das wir hier erwerben konnten.

Ich möchte noch ein paar Dinge ergänzen, die aus meiner Sicht noch fehlen:

Ich bin so glücklich, in Deutschland zu sein; denn das ist das, wonach ich mich so viele Jahre gesehnt habe, und nun habe ich es erreicht.

Was den Südsudan mit seiner hohen Rate von Analphabetismus angeht, so denke ich, dass durch Bildung von Frauen die Armut in diesem Land zurückgehen kann. Die Bildung von Frauen ist aus meiner Sicht der Schlüssel zu einer nachhaltigen Entwicklung von Nationen.

Dann möchte ich noch Namen von Frauen nennen, die mir hier in Euskirchen und in Köln geholfen haben zu organisieren, dass meiner Familie es hierher geschafft hat: Frau Haferkamp, Begrit. Und an der Uni haben mir ebenfalls sehr geholfen: Ricarda und Ute, und nicht zu vergessen Udo und seine Frau, Klaus und Wolfgang. Und dann möchte ich mich bedanken bei meinen Kollegen, die mich immer ermutigt haben und freundlich zu mir waren, auch in den harten Zeiten, die ich durchmachen musste. Ihnen allen wünsche ich das Allerbeste in ihrem Leben.

K.S.

Vielen Dank und alles Gute für Sie und ihre Familie. Schön, dass Sie sich Zeit für dieses Interview genommen haben. Wir und unsere Leser/innen hoffen, bald mehr über Ihren Werdegang in Köln und im Südsudan zu hören und zu lesen.

Das Interview führte Klaus Schampaul für www.aprioripost.de


 
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Ich bin Jahrgang 1949 lebe und arbeite in Köln Porz am Rhein.

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