Background Color:
 
Background Pattern:
Reset

Veröffentlicht am Montag, 19. März 2018

Skripal-Affaire - Wer vergiftet hier eigentlich?

Skripal-Affaire - Wer vergiftet hier eigentlich?
Die Verunglimpfung Russlands durch PolitikerInnen und in vielen Mainstream-Medien ist nichts Neues und nervt schon seit geraumer Zeit erheblich. Die immer wiederkehrende tendenziöse Berichterstattung ist schon so zum Alltag geworden, dass ich bei Beiträgen von bestimmten KorrespondentInnen (z. B. Golineh Atai oder Udo Lilischkies) automatisch umschalten muss, so undifferenziert und einseitig finde ich deren Einlassungen.

Auch in den USA hat sich die Tonart verschärft, vor allem, seit dort die DemokratInnen unter Mithilfe einiger TV-Sender Moskau Einmischung in den Wahlkampf nachzuweisen versuchen, was aber bisher nicht gelungen ist. Nun aber ergab sich endlich ein neuer guter Anlass für das Russia-Bashing, und zwar ein Giftanschlag auf britischem Boden.

Sofort nach Bekanntwerden des Anschlags auf einen in Großbritannien lebenden ehemaligen Spion und seine Tochter erhob die britische Regierungschefin den Verwurf, der Doppelagent und seine Tochter seien von russischen Geheimagenten vergiftet worden.

Erst habe ich das für einen verfrühten Aprilscherz gehalten, dann aber realisiert, dass Frau May und die britische Regierung in ihrer verfahrenen Brexit-Situation jetzt endlich einen starken Aufreißer gefunden haben, der von ihrer eigenen Schwäche und Ohnmacht ablenken soll. Auch ohne Belege ein einfaches Spiel: Denn für den Brexit hat die Mehrheit der Briten offenbar auch ohne Hintergrundwissen gestimmt, und darauf baut Frau May offensichtlich jetzt auch.

Was mich allerdings nachdenklich stimmt, ist, dass in die völlig ohne jegliche vorangegangene Untersuchung, ohne jegliches Beweismittel vorgebrachten Anschuldigungen nun auch noch andere westliche Regierungen - leider auch die unsere - mit einstimmen. Welch unprofessioneller Beginn für die neue GroKo! Am meisten aber stört mich, dass viele MedienvertreterInnen diese Annahmen unrecherchiert und unreflektiert als Tatsachen wiedergeben, anstatt zu bremsen und zu einer sachlichen Vorgehensweise zu raten.

In schlechter, ja in ganz übler Erinnerung haben wir alle noch die ebenfalls unreflektierte und höchst unprofessionelle Berichterstattung, die vor 15 Jahren entscheidend dazu beitrug, einen grausamen Krieg zu legitimeren. Im Jahre 2003 zog nämlich Grossbritannien an der Seite der USA aufgrund der erfundenen und in den Main-Stream-Medien stetig wiederholten Legende von Massenvernichtungswaffen in den Irakkrieg, um den bösen Sadam Hussein zu stürzen. Mit Bildern, die jeden Grafiker-/Fotoshop-Experten zum Lachen hätte bringen müssen, wurden uns Fake Fotos als "alternative" Fakten präsentiert und verkauft.

Diesmal ist es der böse Mann in Moskau. Zwar ist Putins Personalausweis nicht am Tatort unter einem Laubblatt gefunden worden, wie der Postillon satirisch anmerkt (http://www.der-postillon.com/2018/03/putin-salisbury.html); aber in Auftrag gegeben hat Putin natürlich die Mordanschläge, da ist sich der britische Außenminister ganz sicher.

Spekulieren kann man natürlich viel. Denkbar wäre ja auch, dass genausogut westliche Geheimdienste für den Giftanschlag verantwortlich sind, aber auch das reine Spekulation. Empörend finde ich jedoch, dass sich kaum MedienvertreterInnen dafür stark machen, erst einmal auf Untersuchungen mit eindeutigen Beweisen und Belegen zu bestehen, bevor Verdächtigungen ausgesprochen und in alle Welt hinausposaunt werden, unter Umständen mit gravierenden Folgen.

Dabei ist die Ausweisung von Diplomaten aus GB mit der entsprechenden Reaktion aus Russland noch die harmlosere Variante. Schwerer wiegt auf jeden Fall das geplante Verbot des "Propaganda-Senders" Russia Today in GB, das die Abschaltung britischer Medien in Russland, allen voran der BBC, zur Folge hätte. Ob Frau May das mit ihrer Kraftmeierei bezweckt hat? Und ob das so wünschenswert ist, dass ein wichtiges Medium demnächst dort vielleicht nicht mehr in unserem Sinne berichten darf?

Hoffentlich wird diesmal wirklich sauber und unabhängig untersucht, und es werden glaubwürdige Ergebnisse präsentiert. Und die vorschnellen Schuldzuweisungen entpuppen sich wirklich nur als reine Kraftmeierei und Ablenkungsmanöver von der derzeitigen Misere.

Update v. 05.04.2018

Immerhin steht schon mal fest, dass London die Herkunft des Giftes bisher nicht nachweisen konnt, trotz Außenminister Johnson´s vorschnellen Aussagen, es lägen eindeutige Beweise vor, dass Russland für den Anschlag verantwortlich sei. Es könnte nun ungemütlich werden für die britische Premierministerin und ihren Außenminister, die mit ihren unhaltbaren Provokationen gegenüber Russland nun heftig unter Druck geraten.

Bewerten Sie diesen Artikel:
5.0
Kommentare (0)Anzahl der Ansichten (1103)

Autor: victoria

Kategorien: Inland, Ausland, Europa, Medien

TAGs:

Drucken
 
victoria
victoria

victoria

Weitere Beiträge von victoria
Autor kontaktieren

Schreiben Sie einen Kommentar

Name:
E-Mail:
Kommentar:
Kommentar hinzufügen

Ihr Name
Ihre e-Mailadresse
Betreff
Geben Sie Ihre Nachricht ein...
x